MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ilse König
„Nur nicht aufgeben“
Lehrerin für Sport und Mathe
06667 Weißenfels
Ilse König ist eine Kämpferin. Am 06.05.1933 wurde sie in Lodz, heute Polen, geboren. Sie wuchs mit fünf Brüdern auf, tanzte Ballett im Theater und hätte dies gerne zu ihrem Beruf gemacht. Doch es sollte nicht sein. Ihr Vater und drei Brüder kamen aus dem Krieg nicht zurück, Mutter und Tochter wurden 1945 aus ihrer Wohnung vertrieben. Drei Jahre lebten sie als Zwangsarbeiter im Lager. Ilse arbeitete erst bei einem Bauern, dann als Kindermädchen. 1951 konnten sie weg, in die Nähe von Nossen. Wenige Monate später starb die Mutter. Ilse zog nach Finsterwalde zu ihrer Tante und fing in einer Bäckerei an. 1952 wechselte sie in die Feintuchweberei Finsterwalde, dort turnte sie im Betriebssportverein. 1954 wurde sie zum Sportclub „Sport und Fortschritt“ nach Weißenfels delegiert. Da sie in Finsterwalde den Kindersport aufgebaut hatte, sollte sie als Sportlehrerin arbeiten. Die Sportclubleiter persönlich setzten sich dafür ein. Ab 1956 erlebte sie eine tolle Zeit an der Bergschule in Weißenfels. Von Dienstag bis Freitag unterrichtete sie vormittags Sport, am Nachmittag hatte sie selbst Training und führte Turn-AGs durch. Ilse wurde Siebtplatzierte bei der Deutschen Meisterschaft. 1958 hatte sie einen schweren Unfall. Danach konnte sie keinen Leistungssport mehr ausüben, blieb aber Sportlehrerin und setzte sich auch außerschulisch weiter mit großem Engagement für den Kinder- und Jugendsport ein. Jeden Januar fuhr sie mit „ihren“ Kindern ins Wintersport-Ferienlager nach Zinnwald. 1961 begegnete sie dort dem Hallenser Hochleistungssportler und dreimaligen Deutschen Meister im Kanadier Werner König. Die beiden heirateten ein Jahr später, genau dort, wo sie sich kennengelernt hatten. Bis 1964 war Werner als Hochleistungssportler aktiv, arbeitete dann in seinem Beruf als Tischler in Weißenfels. 1962 wurde Sohn Jörg, 1964 Ralf geboren. Ilse absolvierte bis 1966 die Lehrerausbildung im Fernstudium am Lehrerinstitut Halle. Bis 1992 blieb sie an der Bergschule und hat jeden Tag genossen. Nach wie vor machte sie sich für außerschulische Sportangebote stark, trainierte auch eine Kindergruppe der Jungen Garde sowie deren Mütter und organisierte Sportnachmittage für die Kinder der russischen Schule. Noch heute geht sie regelmäßig im Fitnessstudio, kann nach wie vor Spagat, Kopfstand und Radschlagen. Gemeinsam mit dem Kegelverein ihres Mannes sind die beiden viel verreist, haben u. a. das Nordkap gesehen. 1994 wurden sie Opfer eines Wohnungsüberfalls, bei dem Werner zusammengeschlagen und die Wohnung komplett abgebrannt wurde. Werner konnte danach nicht mehr ruhig schlafen. Sie fanden einen Bauplatz und bauten sich eigenhändig, Stein auf Stein und in familiärer Teamarbeit, ihr Haus, in das auch Jörg mit seiner Familie eingezogen ist. Ralf lebt in Naumburg. Die Königs haben fünf Enkel. Leider ist Werner Ende 2011 gestorben. Ilse hat 2008 Amway für sich entdeckt. Sie ist überzeugt von den Produkten und nimmt als Wiederverkäuferin an vielen Veranstaltungen teil. Jeden Mittwoch frühstückt sie mit ihren Amway-Kollegen. Außerdem pflegt sie seit vielen Jahren eine wöchentliche Rommé-Runde und trifft sich alle zwei Monate mit den ehemaligen Kollegen. Und wenn sie mal nicht in Gesellschaft ist? Dann rätselt und liest sie gerne.