MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Erwin Köcher
Theorie Physik, Praxis Medizin
Diplom-Physiker
99092 Erfurt
Auch der Arztberuf sollte angedacht werden, doch Erwin Köcher, mit großem Interesse an den Naturwissenschaften und ebensolchen Zensuren während seiner Schulzeit, entschied sich nach dem Abitur 1950 für das Studium der Physik.
Geboren wurde er 1931 in Dresden, aber bald ging es mit der Mutter zu den Großeltern ins thüringische Eisenberg, wo er aufwuchs, nach der 4. Klasse der Grundschule aufs örtliche Gymnasium wechselte. Die Friedrich-Schiller Universität Jena vermittelte ihm das Wissen, welches einen Abschluss als Diplom-Physiker ermöglichte. Danach beschäftigte er sich ein halbes Jahr im Gummikombinat Waltershausen mit Prüfverfahren für Druckschläuche. Doch im Radiologischen Institut und der Radiologischen Klinik der Kreiskrankenanstalten Gotha ergab sich die Möglichkeit, sein Wissen in der klinischen Strahlentherapie anzuwenden und auszubauen. Dazu besuchte er u. a. Weiterbildungen an der Berliner Charité. Im Institut, wo die ambulanten Fälle betreut wurden, auch das damals obligatorische Lungenröntgen angesiedelt war, wie im Krankenhaus, stand er als Fachmann dem Chefarzt in allen technisch-wissenschaftlichen Fragen zur Verfügung. Parallel wurden hier auch die Fachassistenten Radiologie für den gesamzen Bezirk Erfurt ausgebildet. Das mit seinem Chef verfasste Lehrbuch, als Rolf Dietze / Erwin Köcher „Physik und Praxis der Röntgenaufnahmetechnik“ bekannt, wurde in der DDR zum Standardwerk, erlebte vier Auflagen und wurde ins Holländische (auch hier zwei Auflagen) übersetzt. Hinzu kamen Vorträge und Publikationen in Fachzeitschriften. An der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald konnte er Mitte der siebziger Jahre seine Dissertation vorlegen und verteidigen. Im Juni 1985 qualifizierte er sich als „Fachphysiker der Medizin für Klinische Strahlenphysik“. Als nach dem Ende der DDR 1990 das Medizinwesen umstrukturiert wurde, verlor Dr. Köcher mit der Auflösung der Radiologie in Gotha seine bisherige Stellung. Nur drei Monate später sicherte sich die Thüringer Zahnärztekammer seine Mitarbeit, denn der Einsatz von Strahlendiagnostik in der Zahnmedizin wurde in jenen Jahren erheblich ausgebaut. Dr. Köcher schulte Zahnärzte und deren Assistentinnen, führte Belehrungen durch und organisierte den Strukturaufbau mit. 1996 verabschiedete er sich in den Ruhestand. Seit 1973 steht Frau Ruth an seiner Seite, über 37 Jahre als Radiologieassistentin in Gotha tätig. Tochter Bettina (Jahrgang 1973) ist als promovierte Diplom-Physikerin ausgewiesen. Drei Enkel erfreuen die Familie. Die zweite Heimat im mecklenburgischen Plau am See entdeckte Familie Köcher vor vielen Jahren als Urlaubsdomizil. Heute bleibt ihnen die Zeit, ganze Monate dort zu verbringen, das einst eigenhändig gebaute Motorboot zu bewegen.