MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Irmtraud Kürstner
„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ (Dietrich Bonhoeffer)
Krankenschwester
99423 Weimar
Als Irmtraud Kürstner ihre medizinische Laufbahn begann, wurde noch im Schwesternchor zur Freude und Auferbauung der Patienten gesungen. Auch die Kleidung wurde mit dem Beginn der Ausbildung vorgeschrieben. Es war eine Tracht der evangelisch geprägten Sophienhausschwestern. Die Ausbildung zur Krankenschwester dauerte drei Jahre bis zum Staatsexamen und dies war eine harte, aber lehrreiche Zeit. Irmtraud wurde 1945 in Kallmerode (Eichsfeld) geboren, denn das Elternhaus in Dingelstädt war 1945 von sowjetischen Soldaten besetzt worden. Nach der Freigabe kehrte die Familie dann wieder zurück, so dass die junge Irmtraud von 1952–1962 die Schule in Dingelstaädt besuchte und mit der mittleren Reife abschloss. Gern wäre Irmtraud Ärztin geworden, doch die Verhältnisse in der DDR verwehrten die Aufnahme in die Abiturstufe und so folgte die Ausbildung am Weimarer Sophienkrankenhaus. Eine Sophienschwester verpflichtete sich nicht zu heiraten. Doch als die junge Frau als Gemeindeschwester eingesetzt wurde, lernte sie den Mann fürs Leben kennen und dies hieß Abschied nehmen vom Sophienhaus. Anfang 1966 wurde geheiratet und Ende des Jahres kam das erste Kind zur Welt. Irmtraud Kürstner widmete sich ganz ihrer kleinen Familie, half aber im städtischen Krankenhaus aus, vor allem im Nachtdienst. Mit Aufhebung der Vorschriften zur Ehelosigkeit kehrte sie 1969 wieder ans Sophienkrankenhaus zurück, arbeitete dort über viele Jahre auf der chirurgischen Station, wurde nach entsprechender Qualifikation als Stationsschwester eingesetzt. Dazwischen lagen die Geburten der Kinder Annett (Pfarrerin), Christiane (Krankenschwester wie die Mutter), Thomas (freischaffender Theatermusiker) und Doris (Medienwissenschaftlerin). Ihr Mann Wolfgang, der Lehrmeister an der Berufsschule des Autobahnbaukombinates mit Abschluss als Maschinenbauingenieur war, kam in der Zeit in Berührung mit christlichem Gedankengut und trat aus der Staatspartei SED aus. Später fand er im evangelischen Sophienkrankenhaus neue Aufgaben. Erst als stellvertretender Hausinspektor und dann als Verwaltungsdirektor. Als solcher bereitete er auch die Zusammenlegung von Sophienhaus und Städtischem Krankenhaus zum heutigen Sophien-Hufeland-Klinikum mit vor. 1991 ging er in den Vorruhestand, während seine Frau Irmtraud bis zum Rentenübergang 2008 an der fusionierten Einrichtung blieb – nunmehr als Schwester auf der kardiologischen Station. Das Ehepaar erinnert sich an die Tage des Herbstes 1989: Mit Bangen und Courage wurde in der Herderkirche „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ und in ihrer Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung von Wahlfälschungen ging es darum, neue Möglichkeiten der Demokratie mitzugestalten. Heute freuen sie sich immer noch an ihrem Miteinander, an ihren acht Enkelkindern und ihrem denkmalgerecht sanierten Jugendstilhaus.