MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Sonja Kämmer

Alle Sorgen verwehen im Walde

Sonja Kämmer

Wirtschaftskauffrau i. R.
08321 Zschorlau

Ihr Leben war nicht immer einfach. Umso mehr erfreut sie sich heute ihres wohlverdienten Ruhestandes. Mehr noch. Ein Enkel – Forstwirt – lebt mit seiner Freundin – Hotelmanagerin – mit im Eigenheim. Überschrieben hat sie es ihrem Enkel schon 2013 und weiß es somit in guten Händen. Einsamkeit kann in dieser Konstellation nicht aufkommen und im Alter ein wenig Unterstützung zu haben, ist auch angenehm. Geboren wurde Sonja Kämmer am 23.03.1934 in Reichenberg, dem heutigen Liberec. Im Juni 1946 wurde die Familie aus der Heimat vertrieben. Sonja war gerade 12 Jahre alt. Vier Wochen lang zogen sie von Bahnhof zu Bahnhof, von Stadt zu Stadt und niemand nahm sich ihrer an. 14 Tage verbrachten sie in Hermsdorf im Quarantänelager, bevor sie in Kahla endlich Unterschlupf fanden. Kriegsbedingt konnte sie die Schule 18 Monate lang nicht besuchen, beendete selbige mit Klasse sieben, holte die achte Klasse allerdings nach. Ein kurzer Abstecher führte als Stepperin an die Pantoffelfabrik. Kurze Zeit später war das Unternehmen bankrott. Dreieinhalb Jahre verbrachte Sonja Kämmer bei einem Bauern in der Landwirtschaft. Eine begonnene Lehre an der Porzellanfabrik Kahla beendete sie nicht, arbeitete anschließend innerbetrieblich als Springer und wurde Mitglied der Betriebsgewerkschaftsleitung. Am 29.11.1952 heiratete sie ihren Roland, beschäftigt bei der Armee. Das Paar bekam vier Kinder – Martina, Hubert, Jana und Ralf. 1964 begann auch Sonja Kämmer als Lagerverwalterin in zivil bei der Armee. Bedingt durch den Beruf ihres Mannes führten Umzüge nach Erfurt sowie im Folgenden nach Schneeberg, wo sie ein Haus bewohnten, das Armeeeigentum war und sehr idyllisch mitten im Walde lag. In Schneeberg begann sie als Hauptsachbearbeiterin bei der Armee und erwarb nebenberuflich ihren Abschluss als Wirtschaftskaufmann. Größte Herausforderung war es, die streng rationierte Verpflegung der Soldaten gerecht zu verteilen. Total überfordert, erlitt sie 1980 einen Nervenzusammenbruch. Wieder genesen, setzte man sie nach starkem Schneebruch bis 1981 im Forst ein. Schon 1979 waren Kämmers nach Zschorlau gezogen. 1981 verabschiedete sie sich von der Armee, betrieb zu Hause die eigene Landwirtschaft und kümmerte sich um ihre Truthähne, Kaninchen und Enten. Roland Kämmer verstarb 2010. In der Zwischenzeit hat Sonja Kämmer ihre Gefasstheit zurück gewonnen und die jungen Leute im Haus sind ja auch noch da. Und verspürt sie Lust dazu, geht sie, wie schon ihr Leben lang, Pilze sammeln und im Wald verwehen all ihre Sorgen.
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