MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ursula Kümmer
Im Dreigenerationenhaus
Rentnerin
04680 Colditz OT Möseln
Glücklich ist Ursula Kümmer, wenn drei Generationen bei der täglichen Mahlzeit am Tisch sitzen. Da Kinder und Enkel mit im Haus wohnen, ist dies die Regel.
Geboren 1944 in Colditz, musste sie erleben, dass der Vater früh starb, die Mutter arbeiten ging, die Großeltern sich liebevoll um sie sorgten. So wuchs sie mit Ziegen, Hasen, Hühnern auf, auch der Garten diente der Selbstversorgung in knappen Zeiten. Der Umzug ins nahe Zschadraß sah sie 1951 als Schulkind. Später wechselte sie an die Polytechnische Oberschule in Colditz, schloss die 8. Klasse ab. Im Colditzer Porzellanwerk konnte sie 1959/62 eine Lehre zur Keramdekorierin absolvieren, mit Geduld und Fleiß widmete sie sich dem Bemalen des weißen Goldes. Als 1962 im Porzellankombinat Kahla an der Saale ein neues Werk eröffnete, wurde sie mit anderen Mitstreiterinnen dorthin delegiert, um die Produktion in Schwung zu bringen, sozialistische Hilfe hieß das Programm. 1963, im Jahr im dem sie heiratete, kam sie nach Colditz zurück, blieb in der Porzellanfabrik, bis 1966 der erste Sohn, 1968 der zweite sie zu Hause brauchten, zudem waren Eltern, Schwiegereltern zu betreuen, die Tiere zu versorgen, denn ihr Mann war Mitglied der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG Typ I, 1963). In dieser LPG wurden von jeder Familie das Heu und die Tiere weiterhin selbst versorgt. Ursula Kümmel arbeitete als helfende Ehefrau in der privaten Wirtschaft mit, bis 1973 auch diese noch vergesellschaftet wurde. Im Colditzer Ortsteil Möseln arbeitete sie ab 1973 als Postzustellerin, brachte viele Jahre, nur unterbrochen durch die Geburt der Tochter 1975, den Mitbewohnern Briefe, Karten, Päckchen, Pakete zum Haus. Die Deutsche Post blieb ihr Arbeitgeber, als die DDR Geschichte wurde. Sie wechselte jedoch bald nach Colditz und übernahm auch Schalterdienst. Als sie ab 1994 in Grimma eingesetzt wurde, war nur noch Innendienst angesagt. 1999 ging sie in den Vorruhestand.
Ihr Mann verstarb bereits 1988, doch ihre drei Kinder, die drei Enkel hat sie meist um sich. Klöppeln, Stricken, die Arbeit im Garten bestimmen ihren Alltag. Mit den Frauen der vierköpfigen Handarbeitsgruppe, ehemalige Arbeitskolleginnen, trifft sie sich monatlich, geht in ihrer Gemeinschaft auch auf Urlaubsreisen, besonders gern in die skandinavischen Länder.