MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Diplomjurist Frank Kühnert
Irgendwie kam alles ganz anders
08141 Reinsdorf
Frank Kühnert, 1933 im sächsischen Mülsen St. Niklas geboren, redet ohne Pause, klar und deutlich, sich genau erinnernd.
Der Vater war Bergmann, die Mutter kümmerte sich um die vier Kinder. Von 1940 bis 1948 besuchte Frank Kühnert die Volksschule. „Eigentlich wollte ich danach Autoschlosser werden. Aber der Direktor der Volksschule riet mir, auf die Oberschule zu gehen und das Abitur zu machen. Gesagt, getan. Danach wollte ich an der Medizinischen Fakultät in Leipzig studieren. Sie empfahl mir jedoch, das Studienfach Jura zu wählen, weil Richter ohne Nazi-Vergangenheit dringend gebraucht wurden. Mein Vater drängte mich auch dazu. Also studierte ich von 1952 bis 1958 Jura“, berichtet Frank Kühnert, der später erneut vor einer Entscheidung stand: Sollte er nun bei den Justiz-Organen oder in der Wirtschaft tätig werden? „Ich entschied mich für die Industrie, kümmerte mich in sieben Betrieben, die elektrische Konsumgüter herstellten, um deren Vertragsgestaltungen. 27 Jahre war ich dann Jurist im Zwickauer Grubenlampenwerk. Nach Streitigkeiten mit dem Parteisekretär fing ich im Elektromotorenwerk Thurm an“, sagt Frank Kühnert. Außerdem war er Mitglied in einem Ausschuss, der die Wirtschaftsbeziehungen der RGW-Länder rechtlich regelte. Das Angebot, als Mitarbeiter in der Handelsbotschaft zu arbeiten, lehnte er 1970 gleich zweimal ab, weil man ihm nicht sagte, in welches Land er sollte.
Zur Wendezeit war es guten DDR-Betrieben gestattet, eine DM-Eröffnungsbilanz durchzuführen. Der Jurist bekam nicht nur einen guten Draht zu Wirtschaftsprüfern in Heidelberg und Frankfurt/Main, sondern auch das Angebot, für sie zu arbeiten. In deren Auftrag baute er in Zwickau eine Kanzlei auf, die er über zehn Jahre führte. Sechs Anwälte waren dort beschäftigt. „Weil ich noch das alte Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) studiert hatte, fiel es mir nicht schwer, die Gesetze der Bundesrepublik zu verstehen“, lächelt Frank Kühnert und fügt hinzu: „Oft ging es um das Arbeitsrecht. Ich hatte zwar viel Verständnis für die Arbeitnehmer, musste aber die Arbeitgeber vertreten.“ 2000, mit 67 Jahren, ging Frank Kühnert in Rente. Als Junge spielte er Fußball und lief auf Skiern. Später ging er oft ins Museum für die Industriegeschichte Zwickaus. Der Ehemann von Käthe und Vater von Irena, Lehrerin von Beruf, wünscht sich am meisten Gesundheit.