MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Siegfried Kühn
Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel
und Helge Altenburger
Dreher, Kraftfahrer, Lagerist
Feinspinnerin, Konfektionärin, Köchin
Köthensdorfer Hauptstr. 81
09249 Taura
Fon: 03724 / 89166
Das Mädchen Helge Gruber wurde 1944 in Taura geboren. Sie blickt auf eine behütete Kindheit zurück in einem Arbeiter-Haushalt mit drei Kindern. „Als Schlüssel-Kinder sind wir aufgewachsen“ erinnert sie an eine Zeit, als die Kinder durch die Arbeit der Eltern viel auf sich selbst gestellt waren, den Schlüssel am Band um den Hals trugen um Zugang zum zur Wohnung zu haben und ihn nicht zu verlieren. 1951–1959 besuchte das Mädchen Helge die Schule, lernte danach im VEB Feinspinnerei Burgstädt drei Jahre den Beruf Feinspinnerin. Die junge Facharbeiterin arbeitete sechs Jahre im Ausbildungsbetrieb. Dann sorgte die erste große Liebe und die Geburt von Tochter Sylvia (1965, Servicekraft) für Veränderung. 1966 gesellte sich Tochter Marina (Verkäuferin, Bürokraft) zu ihrer Schwester und 1969 folgte Sohn Karsten (Kraftfahrer). Die junge Mutter überbrückte die Zeit der Erziehung und Betreuung mit Heimarbeit und lernte dafür den Beruf, den sie eigentlich nie ergreifen wollte: Näherin, Konfektionärin. Für Beate Uhse, Quelle und C & A wurde produziert. Reiz- und Nachtwäsche waren die Aufträge. Mehr als zehn Jahre war sie so tätig, wechselte dann für einen besseren Verdienst in eine Großküche und damit wieder in einen anderen Beruf, den sie ganz selbstverständlich auch noch lernte: Koch. Später in einer privaten Fleischerei tätig, musste sie sich nach deren Insolvenz neu orientieren. Als Kaltmamsell erlebte sie in Sachsens größter Fleischerei (Gretenkort) die letzten Jahre ihrer Berufstätigkeit – nun als Kaltmamsell. „Das habe ich für mein Leben gerne gemacht....und jetzt bin ich schon 15 Jahre zu Hause...“ erzählt Helge Altenburger vom Ende des Berufslebens. Ihren Ruhestand genießt sie mit Siegfried Kühn. Er wurde 1935 in Tara als Sohn eines Postangestellten und einer Fabrikarbeiterin geboren. „Ich bin ein Kriegskind“ sagt er. Sein Vater galt als im Krieg vermisst, wurde später für tot erklärt und lebte doch – in neuer Ehe. „Wir waren als Kinder nur beschäftigt das Überleben der Familie mit zu sichern“ berichtet er weiter von schwerer Zeit. 1942–1950 besuchte er die Schule. „Als Schulspeisung gab es zweimal wöchentlich dunkles Brot, später Suppe. Mit Strohschuhen liefen wir täglich ½ Stunde in die Schule. Später haben wir die Sohlen mit Holzsohlen verbessert...“ erinnert er sich. Im Manometerwerk lernte er den Dreher-Beruf, blieb im Anschluss dort tätig. Später wechselte wegen einem besseren Verdienst den Betrieb. Ab 17 Jahre aktiver Fußballspieler (Beginn mit selbst gebasteltem Stoffball, späte aufbereitete Schweineblas vom Fleischer, dann erst Lederball / Motor Markersdorf, Bezirksliga), wechselte er Anfang der 60er Jahre in eine Tätigkeit, die der Aufrechterhaltung dieser Leidenschaft besser entgegenkam und arbeitete fortan bis 1995 im Meliorationsbau (Lagerist, Kraftfahrer). Bis heute trifft er sich mit seinen ehemaligen Kollegen jährlich. Das Paar schätzt gegenseitig die vorhandene Ehrlichkeit und Helge Altenburger sagt von Siegfried Kühne: „Wenn er sich einmal was vorgenommen hat, dann gibt er keine Ruhe bis er es realisiert hat.“ Sein Sohn Michael (geb. 1951, Maler) dürfte das bestätigen können. Beide lachen, wenn sie davon berichten wie aus ihrer ehemaligen Nachbarschaft eine indessen über 25-jährige Partnerschaft wurde und erklären: „Wir haben 2019 Silberhochzeit ohne Trauschein!“ Auf viele schöne Reisen blicken sie schon zurück. Eine große Donaufahrt ist noch ihr Ziel.