MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerhard Kühn
Ball am Fuß, Hände am Grün
Polizist
Gärtnermeister
Obere Hauptstr. 23
09232 Hartmannsdorf
Hartmannsdorf war schon der Geburtsort von Gerhard Kühn (Jahrgang 1936). Er wuchs mit einem älteren Bruder auf. Sein Vater fiel 1943 dem Krieg zum Opfer. Von 1942–1950 besuchte er die örtliche Schule. In ihrer Freizeit traten er und seine Kameraden gegen den Ball, wo und wann immer sich Gelegenheit bot. Gesundheitliche Probleme verhinderten seinen Einstieg in den Beruf des Schmieds, den sein Vater ausgeübt hatte. In einem Textilveredlungsbetrieb wurde er zum Appreteur ausgebildet, blieb bis 1954. Dann verpflichtete er sich für drei Jahre zur Kasernierten Volkspolizei, die 1956 in der neu gegründeten Nationalen Volksarmee der DDR aufging. In Frankenberg stationiert, konnte er dort alle Fahrberechtigungen, einschließlich Personenbeförderungsschein, ablegen und spielte Fußball beim Sportverein „Vorwärts“. Dann ging er für ein Jahr zurück in seinen früheren Ausbildungsbetrieb. Nun folgten sechseinhalb Jahre bei der Deutschen Volkspolizei. In Zwickau-Planitz besuchte er die Polizeischule, schloss mit ausgezeichneten Ergebnissen ab. Eingesetzt wurde er dann im Volkspolizeikreisamt, agierte bei der Verkehrspolizei, in der Unfallbereitschaft und im Funkstreifenwagen. Doch die Heirat mit Frau Renate 1960 sollte sein Leben in neue Bahnen lenken. Von der grünen Uniform ging es 1964 ins grüne Geschäft. Eine Gärtnerlehre qualifizierte ihn für den neuen Beruf. In der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) im damaligen Karl-Marx-Stadt wirkte er bis 1971 als Fuhrparkleiter. Dann übernahm er mit seiner Frau das Geschäft der Schwiegereltern, fortan bei den Hartmannsdorfern als „Renate Kühn Gartenbau Schönfeld“ bekannt. Sie widerstanden Kollektivierungsbestrebungen und führten die Firma bis ins hohe Alter. 2014 war der Ruhestand wohlverdient. Nur wenige Aushilfskräfte wurden gelegentlich beschäftigt, später half die Schwiegertochter im Ladengeschäft. Blumen, Zierpflanzen und Friedhofsgestecke gehörten zum Profil, nach 1990 kamen auch Blumen aus Holland in den Laden. Zudem wurde gleich nach dem Ende der DDR endlich in neue Baulichkeiten behutsam investiert.
Neben seiner Frau Renate prägten Sohn Wolfgang (zu früh verstorben), ein Enkel und das erste Urenkelkind die Familie. Schon seit 1947 war der Knabe Gerhard seiner Leidenschaft zum Fußball im Verein nachgegangen. Bis auf die drei Jahre bei „Vorwärts“ Frankenberg blieb er dem heimatlichen Verein treu, heute als Hartmannsdorfer Sportverein (HSV) 05 firmierend. Bis 1967 war er bei den alten Herren aktiv, heute besucht er mit zwei Freunden regelmäßig die Heimspiele und manchmal auch Auswärtsspiele der in der Landesklasse spielenden 1. Mannschaft. Auch die Modelleisenbahn (Spur TT) wurde zum begeisternden Hobby.