MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hertha und Egon Kühnast
Lehrer mit Herz und Seele
Diplompädagoge, Studienrat i. R. 07613 Crossen
Der 1924 in Sandersdorf geborenen Egon Kühnast kam erst im zweiten Anlauf zu seinem Traumberuf. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte der an Technik, Motoren und dem Fliegen interessierte Junge – als Kind hatte er Segelflugzeuge gebaut und später sogar die Flugprüfung bestanden – bei Junkers Flugzeug- und Motorenwerk den Beruf des Werkzeugmachers. Nach der Ausbildung wurde der junge Mann zum Kriegsdienst eingezogen. 1946 kam er aus englischer Gefangenschaft zurück. Er sollte helfen, seinen Lehrbetrieb abzureißen, doch er hatte im Krieg genug zerstört. Als Neulehrer gesucht wurden, schlug der Vater dem wissbegierigen Sohn vor, doch diesen Beruf zu ergreifen. Im Schnelldurchlauf von nur neun Monaten wurde Egon Kühnast Lehrer für die Unterstufe. Seine erste Anstellung erhielt er in Zörbig. Eine 1. und eine 6. Klasse wurden ihm anvertraut. Die Nachkriegszeit war nicht einfach. Für 56 Schüler gab es nur 16 Fibeln. Aber der Lehrer wusste sich zu helfen, die Schüler der 6. Klasse schrieben die Fibeln auf Packpapier ab.
1948 hatte Egon Kühnast Frau Herta geheiratet, die er während der Ausbildung am Lehrerbildungsinstitut dort kennen gelernt hatte und die Tochter Margit aus 1. Ehe mitbrachte. Das Lehrerehepaar lebte nun in.
Bald holte der Schulrat den engagierten Lehrer als Direktor an eine Schule nach Holzweißig. Zu dieser Zeit hatte er noch nicht die 2. Lehrerprüfung abgelegt, was ihm vor den Kollegen peinlich war. Noch im selben Jahr schaffte Egon Kühnast extern diese Prüfung. Nun unterrichtete er verschiedene Fächer bis zur 6. Klasse. Neben der Direktorentätigkeit war der Pädagoge auch Gemeinderatvertreter. Um Schüler bis zur 10. Klasse unterrichten zu dürfen, absolvierte er dann ein Fernstudium. Nebenbei kümmerte der Lehrer sich auch noch um seine herzkranke Ehefrau.
Auf Anraten der Ärzte zog die Familie in eine Waldgegend. Egon Kühnast war nun als Lehrer und Schulleiter an einer kleinen Landschule mit 120 Schülern in Marktgölitz beschäftigt. Daneben betreute er noch eine Gruppe von Lehrern, die er in Geografie unterrichtete. Diese Tätigkeit machte ihm Spaß und war so erfolgreich, dass man ihm später eine Dozententätigkeit am Lehrerbildungsinstitut in Crossen anbot. Unter der Bedingung, dass er noch an der Humboldt Universität in Berlin studieren könne, nahm er an. Am Institut wurde Egon Kühnast stellvertretender Direktor, und das Studium schloss er mit einem Diplom ab. In Würdigung seiner Verdienste erhielt der Pädagoge die Titel „Oberlehrer“ und „Studienrat“.
Seine Ehefrau war auch am Institut beschäftigt, wurde Kadersachbearbeiterin. Aber dann zog es sie doch wieder zur pädagogischen Tätigkeit. Sie unterrichtete Russisch. An der Pädagogischen Hochschule in Erfurt durchlief sie noch ein Studium zur Diplomlehrerein für Russisch. Dann erkrankte Herta Kühnast schwer, und der Ehemann musste sich nun auf die Tätigkeit eines Fachbereichsleiters beschränken. 1989 ging der Pädagoge in Rente.
Seit seine Frau 2010 leider verstarb, hat der Senior seinen Garten aufgegeben und widmet sich nun mehr seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Lesen. Zurzeit geht es ihm gesundheitlich nicht so gut. Er hofft, dass es bald wieder besser wird und er den Lebensabend noch etwas genießen kann.