MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Matthias Kutschbach

Die Allrounder: Arbeiten, arbeiten, arbeiten

Matthias Kutschbach

Magdalene Kniehaus und Sohn Matthias Kutschbach
Von Bayerstr. 20
06217 Merseburg

Fon: 03461 / 722368

Seit sie denken kann, stand in ihrer Familie die Arbeit stets im Vordergrund. Magdalene Kniehaus, geborene Naundorf, kam 1928 in Mücheln im heutigen Saalekreis in Sachsen-Anhalt zur Welt. Zusammen mit ihrem vier Jahre älteren Bruder ging sie schon im Kindesalter ihren Eltern fleißig zur Hand. Die Mutter war Hausfrau, der Vater Öbster, er hatte ganze Landstriche gepachtet, die von Mücheln bis nach Braunsbedra reichten. Viele Kirschbäume säumten rechts und links die Straßen. Die reifen Früchte warteten im Sommer darauf, von fleißigen Helfern gepflückt zu werden. In der Saison brachten bis zu 30 Pflücker innerhalb von zwei Wochen die Ernte ein und der Vater fuhr die frischen Früchte zum Verkauf mit seinem Lieferwagen zum Großhandel nach Leipzig. „Ich bin in eine sehr arbeitssame Familie hineingeboren und meinen Eltern sehr dankbar für eine Erziehung, in der wir Kinder von kleinauf zum Mithelfen herangezogen wurden“, blickt Magdalene Kniehaus zurück. Die Familie betrieb zudem ein Geschäft mit Lebensmitteln und so war für die Tochter beizeiten klar, nach der Schulzeit Verkäuferin zu werden. Magdalene ging zunächst bei ihrer Tante in die Lehre, später stand sie bei einer Firma in Leipzig hinter dem Ladentisch. Es waren Kriegszeiten und die Mutter riet ihr, sich eine Arbeit in der Heimat zu suchen. Beim Tanzen in Braunsbedra lernte Magdalene Rudi Kutschbach kennen, die beiden heirateten 1948 und drei Jahre später wurde ihr Sohn Matthias geboren. „Mein Vater war ein Allrounder, würde man heute sagen“, erklärt Matthias Kutschbach. Er war selbstständig, besaß ein Geschäft für Kolonialwaren und Lebensmittel, galt als ein Organisationstalent. Ob Arbeitskleidung für die Arbeiter der Chemischen Buna-Werke oder Waggons voller Zement – Rudi Kutschbach besorgte alles und Mutter Magdalene verkaufte diese und viele andere Sachen, während ihre Mutter den Haushalt führte und das Essen für die Familie bereitete. Rudi, der „Hans Dampf in allen Gassen“, war ein Arbeitstier, ging nicht zur Wahl und kaufte auch in Westberlin Waren ein. Er war der Partei ein Dorn im Auge. Über Nacht haute er ab und war eines Tages verschwunden, er kam nie wieder, sagt Magdalene Kniehaus. Zusammen mit ihrer Mutter und dem Sohn musste sie Mitte der 1950er Jahre aus dem Haus samt Lebensmittelladen raus. Die Handelsorganisation (HO) zog ein. „Uns wurde alles weggenommen, wir wurden regelrecht enteignet und zogen in eine Wohnung bei einem Bauern im Ort“, berichtet Matthias Kutschbach. In zweiter Ehe 20 Jahre mit dem (inzwischen verstorbenen) Autoschlosser Oswald Kniehaus verheiratet, blieb Magdalene dem Handel treu. Sie machte ihren Vst.-Leiter-Abschluss nach und arbeitete bei der HO, später beim Konsum. Die Arbeit in der Lebensmittelbranche war ihr Hobby. Mehrfach wurde sie ausgezeichnet, unter anderem als Aktivistin und mit Reisen nach Moskau, Leningrad und Prag, sagt die Großmutter von drei Enkeln und fünf Urenkeln. Sie wohnt in Merseburg und ist stolz auf ihre große und fleißige Familie und das geschaffene Wohneigentum. Matthias Kutschbach, der 1970 sein Abitur machte und vier Jahre an der Fachhochschule Zittau studierte, ist Diplomingenieur für Maschinenbau und Kernkraftwerkstechnik.Seine Frau Petra (geboren 1953) ist Diplomlehrerin für Englisch und Deutsch. „Wir haben eine gute Partnerschaft, wir unterstützen uns gegenseitig. Jedes unserer drei Kinder hat ein eigenes Haus. Wir sind viel gereist, haben ein gutes Leben“, zieht Matthias Kutschbach stolz Bilanz. Wie einst sein Vater, machte er sich wirtschaftlich selbstständig. Der heutige Firmenchef war zuvor jahrzehntelang in Leitungsfunktionen in den Buna-Werken tätig, nach der Wende im Heizungsbau und im Großhandel beschäftigt.
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