MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Herbert Kurth
Ein Mensch, der die Sonne in seinem Herzen trägt
Orthopädieschuhmacher und Taubenzüchter
Jahnstr. 15
04703 Leising
So lernt man Herbert Kurth kennen, wenn man mit ihm ins Gespräch kommt. Er strahlt Optimismus aus, seine Augen sind stets freundlich. Geboren wird er am 20. September 1934 in Sitten. Der Vater arbeitet als Zimmermann, ist bestrebt, seine Kinder stets zu fördern, aber nicht übermäßig zu loben. Die Mutter schafft im Haushalt und ist nebenbei auf dem Rittergut tätig, um das Einkommen der Familie aufzubessern. „Früher fand ich es schlimm, ein Kind zu sein, später habe ich mir die Kindheit zurück geträumt“, erinnert sich Herbert Kurth an seine ersten Jahre. Gerade die Not hält die Familien zusammen. Von drei Söhnen ist er der mittlere, sie sind jeweils sechs Jahre auseinander. Während der Schule erlebt er mehrere Klassen in einem Raum und den drastischen Anstieg der Schülerzahlen durch das Eintreffen der Flüchtlinge aus dem Osten. Als 1945 sowjetische Soldaten einziehen, besetzen sie die örtliche Zigarrenfabrik und lassen die Kinder, die dabei viel Spaß haben, an den Zigarren rauchen. Herbert Kurth träumt von einem Holzberuf, doch dafür gibt es keine Lehrstelle, so erlernt er den Beruf eines Schuhmachers und absolviert nach der Pleite seines Lehrherrn eine zweite Ausbildung als Orthopädieschuhmacher. Aus gesundheitlichen Gründen muss er 1975 diesen Beruf aufgeben und arbeitet bis zu seiner Berentung als Hausmeister im Kindergarten der Zigarrenfabrik in Leisning. Dieser ist ein Flachbau ohne Treppen, jede Gruppe hat ihr eigenes Refugium. „Im Winter musste ich tonnenweise Kohlen schaufeln, die Arbeit begann dann schon um 4 Uhr früh“, erinnert sich Herbert Kurth. Er denkt gern an die Zeit mit den Kindern zurück. Mit seiner Ehefrau Hanna hat er von 1960 bis zu ihrem Tod im Jahr 2009 eine glückliche Ehe geführt. „Als wir 1992 gemeinsam in den Ruhestand gegangen sind, mussten wir uns erst wieder aneinander gewöhnen, so hat die Arbeit unser Leben beeinflusst“, meint sich Herbert Kurth. Er betreibt ein besonderes Hobby. Im Alter von 14 Jahren bekommt er von den Eltern seine ersten Tauben geschenkt, daraus entwickelt sich im Laufe der Jahre eine Zucht, die für ihn zum zweiten Beruf und einer Berufung wird. Anlass ist die Taubenzucht eines Schulfreundes, Herbert Kurth bittet und bettelt seine Eltern so lange, bis sie nach einer Krankheit von ihm schließlich nachgeben. „Die Tauben erkennen ihren Herrn an der Stimme, wenn ich einmal nach längerer Zeit nach Hause komme, gibt es stets ein großes Freudengezwitscher“, freut er sich und die Begeisterung für sein Hobby schwingt in seiner Stimme mit. Herbert Kurth will mit der Zucht erst dann aufhören, wenn es wirklich nicht mehr geht. „Genieße jeden Tag, es könnte der letzte sein“ ist das Motto, mit dem er seinen Ruhestand genießt.