MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ing.-Ök. Michael Kusau

Ein schwieriger Ausstieg aus dem Traumjob

Michael Kusau

Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH)
06942 Dessau-Roßlau
 

Michael Kusau wurde am 20.05.1936 in Königsberg geboren – kein guter Ausgangspunkt für eine unbeschwerte Kindheit. Der Vater blieb im Krieg, die Mutter musste 1945 mit beiden Kindern flüchten. Mit nicht mehr als einer Aktentasche und einer Decke kamen sie in der Altmark an. Doch sie hatten Glück, trafen auf hilfsbereite Menschen. Die Mutter konnte sich von der „Neu-Lehrerin“ bis zur Direktorin hocharbeiten. Kusau absolvierte nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zum Maschinenschlosser bei ABUS in Dessau, wurde dann in der Maschinenreparatur und in der Härterei eingesetzt. Doch er wollte noch studieren. Damals hieß es, der Weg zum Studium führe über die Kasernierte Volkspolizei (KVP), also trat er den Dienst an. Mit Gründung der NVA im März 1956 jedoch brach er unter abenteuerlichen Umständen ab. Kusau fing kurz darauf wieder bei ABUS an – „der Beginn seines Traumberufes“, wie er sagt. Er war zunächst Hilfshärter, absolvierte die entsprechende Ausbildung, wiederholte den Abschluss der 10. Klasse und begann ein Abendstudium, das er als Ingenieur-Ökonom für Maschinenbau abschloss. Entsprechend gestaltete sich seine berufliche Laufbahn: Er wurde Brigadier und schließlich Abteilungsleiter im neu gebauten ABUS Werk II. Dort führte er 70-80 Mitarbeiter über alle Produktionsschritte der Herstellung von Panzergetrieben, Getrieben für die zivile Produktion und Wellenanlagen. Er war außerdem Mitglied der DDR-weit tätigen Arbeitsgemeinschaft für Wärmebehandlung. Er liebte seinen Beruf, die Herausforderung, die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Als die Wende kam, akquirierte er selbständig Neuaufträge, bereitete die Härterei auf den Verkauf vor. Doch die Treuhand stimmte einer Privatisierung nicht zu und Kusau verlor mit 55 Jahren seinen Traumjob. Einen Mitarbeiter nach dem anderen musste er zur Entlassung nennen, bis nur noch er und der Produktionsleiter übrig waren. Diese Zeit hat ihm sehr zugesetzt: „Ich dachte, die Welt geht unter.“. Doch natürlich hat er sich aufgerafft, neue Aufgaben im Privatleben gefunden. Seit 1958 ist er mit seiner Frau Eva verheiratet, zur Familie zählen 6 Kinder, 10 Enkel und 8 Urenkel. Kusau liest viel in seiner Freizeit, er liebt Jazz, ist aktiver Tischtennisspieler und im Verband engagiert. Das Ehepaar bewirtschaftet den gemeinsamen Garten und ist gerne auf Reisen. Bis vor wenigen Jahren hatten diese häufig einen sportlichen Hintergrund. Denn Eva ist nicht nur im Herzen von Michael Kusau die Meisterin: Sie hält mehrere nationale wie internationale Meistertitel und Rekorde im Kraftdreikampf, 2002 ist sie sogar Weltmeisterin geworden.
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