MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Sabine Kurz
Freude an den kleinen Dingen des Lebens
Tabakfacharbeiter
Am Holländer 6
04720 Döbeln
Sparsam wirtschaften, das hatte Sabine Kurz schon von zu Hause mitbekommen, denn bereits die Mutter musste jeden Groschen rumdrehen, der alleinverdienende Vater, Strafvollzugsbeamter in Waldheim, hatte fünf Kinder zu ernähren. Sabine Kurz, als zweites der Geschwister 1961 in Döbeln geboren, liebte die Singernähmaschine, aber eine Lehrstelle als Schneiderin war nicht zu bekommen. Nach dem Besuch der Rosa-Luxemburg-Schule mit dem Abschluss der 8. Klasse konnte sie beim VEB Rohtabak in der Döbelner Industriestraße eine zweieinhalbjährige Lehre beginnen, die sie als Tabakfacharbeiterin abschließen konnte. Zur Berufsschule musste sie mit dem Zug nach Leisnig fahren. Gerade achtzehn Jahre alt, wurde sie als Jungaktivist geehrt, zog aber bald zum Freund nach Dresden, wo 1981 der erste ihrer beiden Söhne zur Welt kam. Doch wenig später zog es sie zurück zu Familie und Heimatort, nur die Arbeit in der Tabakfabrik war ihrer Gesundheit auf Dauer nicht zuträglich. Wegen ihrer Hauterkrankung sollte sie mit zweiundzwanzig Jahren in Rente geschickt werden, für sie eine Horrorvision. Bei der Großhandelsgesellschaft Haushaltwaren fand sie für ein dreiviertel Jahr neue Aufgaben, bevor sie als Lageristin beim VEB Döbelner Beschläge- und Metallwerk (DBM) anfangen konnte und dort bis zur Stilllegung nach den Zeiten des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbruchs 1990 tätig war. Hier oblag ihr u. a. die versandfertige Verpackung der Produkte. Sie wurde als einer der letzten entlassen, freute sich nun, wenn sie, oft kurzzeitig für ein Jahr oder auch nur ein halbes, neue Anstellungen fand, mit denen sie ihre beiden Kinder, 1987 war der zweite Sohn geboren worden, versorgen konnte, alleinerziehend, aber stets für ihre kleine Familie engagiert. Weil der Ältere auf den Jüngeren aufpasste, ihre jüngste Schwester Marion sie unterstützte, konnte sie alles bewältigen. Bei der Straßenbaugesellschaft, beim Automobilzulieferer Autoliv, in der Döbelner Süßwarenmanufaktur, beim Zeitungsaustragen und sechs Jahre beim Netto Discount, war sie stets für jede Arbeit aktiv im Einsatz. Für große Sprünge reichte es nie, Luxus blieb Fremdwort, an kleinen Dingen konnte sie doch ihre Freude haben, selbstlos galten den Kindern und ihrer glücklichen Entwicklung Augenmerk und Hingabe. Beim Schwimmen findet sie körperlichen Ausgleich.