MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Kupfer

Einhundertzehntausend Volt und vieles mehr

Jürgen Kupfer

13089 Berlin

Privat glücklich und beruflich erfolgreich: Professor Dr. Jürgen Kupfer, geboren am 06.07.1938 in Dramburg/Pommern, durfte vielen prägenden Ereignissen beiwohnen. Die mit Kriegsende, Flucht nach Greifswald und Neubeginn mit 6 Schulwechseln schwierigen Jahre verloren zunehmend ihren turbulenten Charakter, auch in der Erinnerung. Zu den besonders bewegenden Erlebnissen gehörte unter anderem die Wende, der lang ersehnte Besuch des Elektropathologischen Museums in Wien im November 1989 und eine danach überraschende Einladung und herzliche Begrüßung der Familie väterlicherseits im Berchtesgadener Land. 1957 lag in Pasewalk das Abitur hinter ihm. Ursprünglich wollte er Zoologe werden, mangels Studienplätzen nahm er auf Rat seines Vaters, Netzbetriebsleiter in Pasewalk, an der damals noch Technischen Hochschule Dresden sein Studium auf und beendete es als Diplomingenieur für Starkstromanlagenbau. Der bekannte Physiologe Prof. Dr. A.-H. Frucht holte ihn 1963 nach Berlin zum Deutschen Zentralinstitut für Arbeitsmedizin (DZA) in Berlin Lichtenberg, wo er nach 2jähriger Zusatzausbildung (Physiologie, Elektropathologie) im Auftrag der Hauptsicherheitsinspektion der Energieversorgung zum Thema „Elektrounfall“ DDR-weit tätig wurde. Zugleich sammelte er praktische Erfahrungen in der Sicherheitstechnik sowie im Kraftwerksbau Vetschau. Ab 1970 ging er zurück an das DZA, wurde Gruppenleiter und baute eine Arbeitsgruppe und das zugehörige Labor für Untersuchungen zu den Themen Wirkung von 50-Hz-Strömen und elektrischen Feldern auf. Auf dem erst genannten Gebiet promovierte und habilitierte er extern an der Technischen Universität Dresden 1969 und 1982. Zur biologischen Wirkung elektromagnetischer Felder und Wellen war er an der Ausarbeitung von Kriteriendokumenten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beteiligt. An der Akademie für Ärztliche Fortbildung der DDR erwarb er den Titel „Fachingenieur der Medizin“, leitete dort den neuen Lehrstuhl „Technische Arbeitshygiene“, zunächst als Dozent und ab 1988 im Rahmen einer Professur. Stationen folgten als Fachbereichsleiter mit Zuständigkeit für die Standardisierung auf dem Gebiet der Arbeitshygiene. Danach gründete er den neuen Forschungsbereich Ergonomie und wurde einer der Stellvertreter des Institutsdirektors. Professor Dr. Kupfer war der erste, der von einer gegen Erde isolierenden Leiter mit selbst entwickelten Schutzanzug 110 000 Volt im Hochspannungslabor der TU Dresden mit bloßer Hand berührte. Daraus entstand im Rahmen eines interdisziplinären Forschungskollektivs eine neue Technologie: Das Arbeiten unter Spannung. Patente in zahlreichen Ländern und der Nationalpreis für Naturwissenschaft und Technik folgten als Anerkennung. Gemeinsam mit Ärzten und anderen Wissenschaftlern veröffentlichte er Fachbücher, publizierte über 100 eigene Beiträge, übernahm Vorlesungen an anderen Lehrstühlen und begleitete mit großer Freude Diplomanden und Doktoranden. So entwickelte er nach 1990 mit Studenten am Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitssicherheit, Sankt Augustin, das patentierte System CUELA-HTR zur Messung körperlicher Belastungen, eine wichtige Grundlage für systematische Untersuchungen im Arbeitsprozess. Schon im Ruhestand folgte er 2003/04 dem Ruf als EU-Experte in die Türkei zum Aufbau arbeitshygienischer Labors. Bis heute gibt Prof. Dr. Kupfer in Form von Vorträgen und Veröffentlichungen sein erworbenes breites Wissen gerne weiter. Für den Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE e. V.) ist er als Leiter des Arbeitskreises „Blitzunfälle“ tätig. Mit Dankbarkeit betrachtet er rückblickend einen Entwicklungsweg, den er vom Kriegskind zum Wissenschaftler, Forscher und Leiter in Ost und West nehmen durfte.
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