MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Marianne Kunert
„Niemand weiß, was er kann, bevor er’s versucht.“ (Publilius Syrus)
Adam-Weise-Str. 16
06773 Gräfenhainichen
Fon: 034953 / 22346
„Damals waren die Zeiten ganz anders, man hatte ein ganz anderes Denken...“ berichtet Marianne Kunert über ihre Kindheit und den Weg ins Erwachsenen- und Berufsleben. 1940 wurde sie als Tochter eines Architekten und einer Hausfrau geboren. Ein Jahr zuvor hatte der zweite Weltkrieg begonnen und überschattete vieler Menschen Schicksal. So auch das ihrer Familie. Ihr Großvater betrieb ein Baugeschäft, plante die Weiterführung als Familienbetrieb. Mariannes Vater sollte es übernehmen, sie selbst die kaufmännische Seite begleiten und deshalb die Handelsschule absolvieren. Ihr Lehrer erkannte mehr Potential in dem jungen Mädchen, empfahl eine weiterführende Schulbildung nach der 8. Klasse. Doch der Krieg hat die Weichen anders gestellt. Mariannes Vater kehrte nicht aus ihm zurück. Der Großvater konnte altersbedingt das Baugeschäft alleine nicht weiterführen, musste es aufgeben. Das Geld wurde knapp in der Familie. Zu treffende Entscheidungen richteten sich also nicht nach Wünschen sondern nach Notwendigkeiten. Keiner sah das sehr betrüblich, herrschte doch damals noch der Gedanke: Frauen heiraten, bekommen Kinder, werden Hausfrau. Wozu also viel Wert auf überdurchschnittliche Ausbildung legen? Aus diesem Grund wurde das junge Mädchen beeinflusst nach der Schule (1947–1955) die Handelsschule Bitterfeld zu absolvieren und danach eine Arbeit aufzunehmen. Im Rat des Kreises Gräfenhainichen wurde sie in der Abteilung Plankommission tätig (1957–1965). Die Geburt von Sohn Oliver (1965, Architekt) unterbrach ihre berufliche Entwicklung, die eigentlich mit dem Besuch der Finanzschule Gotha weitergehen sollte. Wegen der familienunfreundlichen Arbeitszeiten kehrte sie später dann nicht mehr an diesen Arbeitsplatz zurück, sondern wechselte in das BKW (Braunkohlenwerk) Gräfenhainichen. Doch die Kombinatsbildung und Verlegung des Sitzes nach Bitterfeld zogen erneuten Wandel nach sich. In der Zentralwerkstatt Gräfenhainichen wurde sie im Rechenzentrum beim Direktor für Ökonomie und nach einem Unterbrechungsjahr (1972 Geburt von Tochter Juliane, Sozialpädagogin) bei dem Leiter des Rechenzentrums bis zur Wende beschäftigt. „Eine Zeit persönlicher Entwicklung durch berufliche Forderung“, resümiert sie heute. Ihr Mann (Hochzeit 1961) fühlte sich dabei überflügelt. 1980 wurde die Ehe geschieden. 1985 begann Marianne Kunert mit einer nebenberuflichen Tätigkeit bei der Staatlichen Versicherung. Was aus finanzieller Notwendigkeit einer alleinerziehenden Mutter entstand wurde nach der Wende und der rollenden Entlassungswellen ein Glücksfall. „Mutti in diesem Staat musst du Arbeitgeber, nicht Arbeitnehmer sein“ sagte ihr Sohn und sie folgte diesem Hinweis gerne. Fundierte Kenntnisse und treue Kunden wurden zu ihrem Startkapital bei der Allianz-Versicherung. 1998 war sie bereits Generalvertreterin. 2006 ging sie in den wohlverdienten Ruhestand. „Mir ist immer etwas eingefallen. Ich bin meinen Weg auch ohne Oberschule gegangen und ich habe aus meinem Leben etwas gemacht“ berichtet sie mit Recht stolz über ihren Werdegang. Von jeher sportlich aktiv, sind Disziplin, Ausdauer und eigene Organisation hilfreiche Eigenschaften dabei gewesen. Im Heideverein ist sie heute gerne Mitglied und der Garten bietet freudvolle Beschäftigung. „Ich habe immer meine Arbeit gemacht, mich wohl gefühlt und Freude am Leben" sagt die ehrgeizige und fleißige Frau, die sich alles selbst erarbeitet hat.