MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gisela Kuhnert

Ein stolzer Rückblick auf eine Lebensleistung

Gisela Kuhnert

August-Bebel-Str. 24 a
06792 Zscherndorf
Fon: 03493 / 822104

Gisela Kuhnert ist ein ehrlicher Mensch mit einer guten Portion von Durchsetzungsvermögen. Dies beweist sie unter anderem, als sie nach der Schule in der Polsterwerkstatt ihres Vaters eine Lehre als Polsterin und Tapeziererin antritt, was zu dieser Zeit auch in der DDR eher eine Ausnahme darstellt. Nach einem Jahr will sich Gisela Kuhnert vom Elternhaus lösen, sie fängt bei ORWO als Schichtarbeiterin an und lernt in den nächsten drei Jahren die nicht immer einfachen Zustände in einem Produktionsbetrieb der DDR mit Früh-, Spät- und Nachtschicht und den immer wieder auftretenden Stockungen in der Produktion kennen. In dieser Zeit lernt sie ihren Mann Manfred kennen, der in einem Wohnheim in Wolfen wohnt, im Oktober 1960 heiraten die beiden. Die Ehe hält neun Jahre, aus ihr geht der Sohn Thomas hervor, der 1962 geboren wird und der 2014 in Bremen verstirbt. Er hinterlässt eine heute 28-jährige Tochter, die derzeitig als Steuerberaterin arbeitet. Gisela Kuhnert besucht sie immer wieder sehr gern, vor allem wegen des Urenkels. Später arbeitet sie im Braunkohletagebau Holzweißig als Schreibkraft mit 370 Mark im Monat. Dies sagt ihr auf die Dauer nicht zu, so bewirbt sie sich für ein vierjähriges Frauensonderstudium, das sie 1973 als Ingenieurökonomin mit „Gut“ abschließt. Dafür holt Gisela Kuhnert den Abschluss der zehnten Klasse nach und quält sich eisern durch den obligatorischen Russischunterricht. „Die anderen Frauen hatten alle Männer, die ihnen bei schwierigen Fragen helfen konnten, ich musste mir den Stoff allein erarbeiten“, erinnert sie sich. Erst danach lernt sie wieder einen Partner kennen, den sie im November 1973 heiratet. Gisela Kuhnert arbeitet anschließend in mehreren Positionen in ihrem Betrieb und entscheidet sich schließlich 1987 für die Selbstständigkeit in ihrem alten Beruf. Als Polsterin bringt sie alte Möbel wieder auf Vordermann, holt ihren Mann in den Betrieb, der sich jedoch nur schlecht unterordnen kann. Ab 1990 nennt sie sich Raumausstatterin, doch die Geschäfte gehen immer schlechter, da sich die Kunden lieber neue Möbel aus westlicher Produktion kaufen. Gisela Kuhnert gibt nach dem Tod ihres zweiten Mannes 1996 ihren Betrieb auf, lebt zwei Jahre von der Witwenrente und kann 1999 in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Seit 2006 hat sie einen neuen Lebenspartner, mit dem sie sich viel unterhält, Schach spielt oder verreist. Zwei Mal in der Woche treibt sie leichte Gymnastik. Auf den neuen Lebenspartner kann sie sich auch in schwierigen Situationen stets verlassen, beide wollen noch lange und in Ruhe gemeinsam miteinander leben.
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