MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingeborg Kuhne
Ihr Engagement war zeitweise übergroß
Geschäftsführerin i. R.
Kleine Steinstr. 5
06108 Halle
Dinge, die nicht zu ändern sind, akzeptierte sie, doch vor Prozessen, die vieler Arbeit und enormem Kampfgeist bedurften, stellte sie sich jederzeit und mit zeitweise übergroßem Engagement.
Geboren wurde Ingeborg Kuhne 1947 in Lausitz. Noch jung an Jahren schlüpfte sie gern in verschiedene Rollen, Garderoben und Zeitalter hinein und wäre gern Schauspielerin geworden. Die Eltern waren nicht begeistert. So orientierte sie sich an ihrer Tante Lydia, welche als Lehrerin am Lyzeum arbeitete. Zum Studium begab sich Ingeborg Kuhne nach Halle und erhielt 1970 ihren Abschluss als Dipl.-Lehrerin für Biologie und Chemie.
Ehemann Lothar – Lehrer für Mathematik und Physik – nahm eine Stelle in der Betriebsschule der Chemischen Werke Buna an. Sie selbst wollte sich nicht lenken lassen, doch eine Lehrerstelle in Halle war leider nicht frei. Sie schenkte Sohn Björn das Leben, welcher heute als Mediziner tätig ist, arbeitete als Krippenhelferin und eroberte sich so einen Krippenplatz für ihr Kind.
Anschließend übernahm Ingeborg Kuhne die Laborleitung am Kraftfuttermischwerk und erhielt durch Zufall doch eine Stelle als Chemielehrerin in Halle. Sie wechselte an eine Schule in Neustadt, an welcher sie nicht glücklich wurde und fand neue Herausforderungen in der Erwachsenenbildung der Betriebsakademie Buna.
Ende der 70er Jahre folgte eine neue Etappe an der Betriebsberufsschule „Bauwesen“ in Halle-Neustadt. 1985 nahm die Pädagogin ein postgraduales Rechts-Studium an der Humboldt-Universität auf und avancierte 1988 zur Leiterin der Betriebsakademie für die Handwerksmeisterausbildung der örtlichen Versorgungswirtschaft.
Nach der deutschen Vereinigung stieg sie in die neu gegründete Industrie- und Handelskammer ein, baute sie nach neuen Strukturen, Gesetzten und Vorschriften und wie immer mit nie versiegendem Herzblut auf. Sie übernahm als Geschäftsführerin für Bildung Führungsaufgaben im Bereich der Berufsausbildung und im Ausbildungsring der gemeinsam mit den Landräten als Lösung der außergewöhnlich prekären Übergangssituation in der Ausbildung gegründet wurde. . Zum Reizthema gestaltete sich das neue Prüfungswesen, doch zu Ingeborg Kuhnes Freude zogen alle an einem Strang – Unternehmen, Berufsschulen, Gewerkschaften. Ihren kräftezehrenden, doch mehr als bereichernden Aufgaben kam sie bis 2008 nach und bezog ihre Energien aus der Freude an der Arbeit, aus der Spannung, Probleme zu lösen sowie aus ihrer von Erfolgen gekrönten Karriere. Auch Ehemann Lothar stand seiner Frau in nichts nach. 1991 übernahm er die Leitung des neugegründeten Kollegs und Abendgymnasiums Halle.
In ein tiefes Loch fiel Ingeborg Kuhne im Ruhestand nicht. Sie stand einfach nicht mehr zur Verfügung, nahm sich viel Zeit für Mann, Sohn und zwei Enkel und leistet ehrenamtlich als Mitglied der Soroptimistinnen innerhalb des weltweiten Verbandes berufstätiger Frauen noch immer Herausragendes.