MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

Gesamte Liste anzeigen

Dr. phil. Herbert P. Kullik

Ein bewegtes Leben in bewegender Zeit

Herbert P. Kullik
Hochschuldozent i. R.

Meiselschachtweg 2
01189 Dresden
Fon: 0351-4011317

Befragt nach seiner persönlichen Stärke antwortet er: „Schweigen“. Das ist ungewöhnlich. Aber vielleicht hängt es mit seiner Heimat zusammen, dem Landstrich, wo er herkommt? Herbert Kullik kam am 29. Mai 1932 in Schützendorf in Masuren, damals Ostpreußen zur Welt. Dort besuchte er bis Ende 1944 die Volksschule. Im Oktober 1945 begann eine lange Reise ins Ungewisse, die Auswanderung nach dem verbliebenen Deutschland, zunächst nach Berlin, in den britischen Sektor. Seine Mutter (allein mit 6 Kindern, der Vater war noch in Gefangenschaft) suchte jedoch die Nähe ihrer älteren Schwestern, zwei davon lebten in Sachsen Anhalt. So hießen die Stationen zuerst Parchau, dann Burg. Nach einer Lehre zum Maschinenschlosser entschloss er sich, Berufschullehrer zu werden, ließ sich jedoch nach einem Semester exmatrikulieren und wurde Hauptamtlicher Pionierleiter (HPL), mit entsprechender Ausbildung in der Landespionierleiterschule Sachsen Anhalt. Dies mag wohl die Initialzündung für das weitere Leben im Dienste der Pädagogik gewesen sein. Es folgte ein Studium am Institut für Lehrerbildung in Staßfurt mit dem Abschluss als Fachlehrer für Russisch mit der Lehrberechtigung für die Mittelstufe (die Oberstufe erwarb er sich in einem sechsjährigen Fernstudium in Potsdam). Der Einsatz als Lehrer erfolgte in Berlin, leider nur für ein Jahr. Um dem Dienst im Wachregiment zu entgehen, meldete sich Herbert Kullik freiwillig für die Dolmetscherschule der KVP in Weimar. Diese wurde in seinem 3. Jahr aufgelöst und er setzte sein Studium an der Uni in Leipzig fort. Hier diplomierte 1958 als Dolmetscher und Übersetzer für Russisch und Polnisch. Die Militärakademie in Dresden war seine erste Arbeitsstelle, jedoch nur eine Zwischenstation auf dem Weg an die Hochschule für Verkehrswesen in Dresden. Sie sollte seine wissenschaftliche Heimat werden. 1961 begann er hier seine Tätigkeit, arbeitete als Lehrer, als Lektor und später als Dozent für Russisch und Polnisch. Rhetorik kam in den 80er Jahren dazu. In dieser Zeit schrieb er zwei Lehrbücher sowie zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze. Schon 1964 wurde er zum Direktor des Instituts für Fremdsprachen ernannt, deshalb auch die relativ späte Promotion im Jahr 1980. Zehn Jahre später wurde Hochschuldozent Dr. Kullik basisdemokratisch zum Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät gewählt. 1992 erbat er beim Staatsminister für Wissenschaft und Kunst die Abberufung, arbeitete aber noch bis Ende 1999 freiberuflich als Rhetoriklehrer. Seit 1958 ist er mit Sieglinde, einer examinierten Krankenschwester, verheiratet. Sie ist inzwischen an den Rollstuhl gebunden. Was sie ihr Lebtag für ihn getan hat, kann er nun versuchen, ihr zurückzugeben. Die vielen geplanten wissenschaftlichen Vorhaben müssen reduziert werden. Dennoch: Heute ist der anerkannte Wissenschaftler zu Recht stolz auf das, was er im Leben erreicht hat auf seinem langen und beschwerlichen Weg von Masuren bis an die Ufer von Elbflorenz.
Gesamte Liste anzeigen

  • Der Verlag
  • Gesichter der Regionen
  • VWM-Info
  • Menschen und ihre Gesichter
  • Suche
  • Ihre Empfehlung
  • Unser Anliegen
  • Kontakt
  • Impressum
  • Datenschutz