MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Käthe Kuntz

Eine Thüringer Schaustellerfamilie in sechster Generation

Käthe Kuntz

Schaustellerfamilie
07381 Pößneck

Alles begann mit einer großen Liebe im Herbst 1949: Bei einem Kirmesbesuch in Sitzendorf lernte Käthe Kuntz ihren Karl kennen – einen Schausteller. Bereits im November 1949 wurde geheiratet und Käthe Kunz zog mit ihrem Mann als Schaustellerin durch die Lande. Karl Kuntz kam aus einer alten Schaustellerfamilie. Die Tradition reicht bis ins Jahr 1865 zurück. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Ingrid, Evelin, Klaus und Joachim. Ingrid und Evelin sind beide mit einem Schausteller liiert, Klaus ist im Finanzwesen (Bankgeschäft) tätig und Joachim ist selbständiger Schausteller. Mittlerweile gibt es sechs Enkel und zwei Urenkel. Von den Enkeln ist bisher keines im Schaustellergewerbe angekommen. Sollte die lange Familientradition zu Ende gehen? Es wäre zu schade! Papa Karl war mit Leib und Seele Schausteller und es fiel ihm schwer, zur Jahrtausendwende aus gesundheitlichen Gründen sein Gewerbe aufzugeben. 2008 verstarb Karl Kuntz. Doch er war glücklich, dass seine Kinder die Tradition fortsetzten. Joachim wurde 1955 in Katzhütte geboren. Die Mutter Käthe (geb. 1931) war als Flüchtling aus Schlesien nach Katzhütte gekommen. 1971 beendete Joachim Kuntz seine zehnjährige Schulzeit, nachdem er als Schaustellerkind etwa 200x die Schule wechseln musste. Ab September 1971 arbeitete Joachim im väterlichen Unternehmen. 1974/1975 absolvierte er den Grundwehrdienst und war weiter im Schaustellerunternehmen Kuntz tätig. Im November 1985 machte sich der Sohn mit einer Berg- und Talbahn selbständig. Die politische Wende in Deutschland nutze Herr Kuntz für den Erwerb eines gebrauchten Fahrgeschäftes namens „Super Star“. Das war ein Rundfahrgeschäft mit frei schwebenden Gondeln. Die Berg- und Talbahn wurde verkauft. Zwischen 2000 und 2005 zog der Schausteller aus Berufung mit zwei saisonalen Festangestellten durch die Landen. Zu DDR-Zeiten war man meist im Thüringer Raum unterwegs, nunmehr deutschlandweit. Am Ende des Jahres 2005 musste Joachim Kuntz seinen „Super Star“ aus gesundheitlichen Gründen verkaufen. Dafür schaffte er sich im Frühjahr 2006 ein Kinderbodenkarussell an, mit dem er bis heute unterwegs ist. Zusätzlich hat Herr Kuntz seit 1994 noch einen Ballwurfwagen. Er liebt es, wenn die Kinder mit strahlenden Augen auf seinem Karussell sitzen – die Jungs meist im Feuerwehrauto, die Mädchen auf Pferdchen. Einen großen Verdienst wirft das Unternehmen nicht ab, aber das Lachen der Kinder versöhnt den 59jährigen wieder.
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