MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Margit Kuk
Die Kindergärtnerin
Kurpromenade 24
06905 Bad Schmiedeberg
Margit Kuk erinnert sich noch gut an ihre Kinderzeit und Jugend und daran, dass ihr Schulabschluss 1949 in die Nachkriegszeit fiel und damit Berufswünsche – wie die jungen Menschen sie heute frühzeitig entwickeln – nicht aufkamen. Notwendigkeiten prägten den Alltag. Die junge Margit ging als Hauswirtschaftlerin in die Landwirtschaft und statt wie vorgesehen die Tochter der Bauernfamilie zu betreuen, wurde sie in Haus, Hof, auf dem Feld und im Stall eingesetzt, verrichtete schwere körperliche Arbeiten. Ihre Mutter war es, die sie daran erinnert, wie gerne sie mit Kindern umging. Der neu gegründete Arbeiter- und Bauern-Staat ebnete den Weg in die berufliche Orientierung mit der Möglichkeit des Studiums für Arbeiter- und Bauernkinder. Im September 1951 nahm sie an der Helene-Lange-Schule in Halle das Studium auf, erlangte 1955 den Abschluss als Kindergärtnerin. Der anschließende Einsatz richtete sich nach den Erfordernissen, nicht nach persönlichen Wünschen. So übernahm Margit Kuk eine ältere Gruppe, der bis dahin die von der Volksbildung geforderte Fachbetreuung fehlte. Beengte Verhältnisse herrschten und die Vielzahl der Kinder schlug sich in großen Gruppen mit bis zu 22–23 Kindern nieder, erinnert sich Margit Kuk heute. Ihre praktischen Erfahrungen waren Anlass sie zur Leiterin zu berufen. Die Ausreiseanträge zweier Absolventen in ihrem Verantwortungsbereich Grund zur Abberufung. Dabei spielte es keine Rolle, dass sie von dem Ansinnen dieser Kolleginnen keine Kenntnis hatte, ein „Sündenbock“ musste her und der war sie. Eine sehr schockierende Erkenntnis für die junge Frau und Ungerechtigkeit auch in den Augen anderer Kolleginnen. Versetzt ins Kinderheim Moschwig (1976) und zur Schichtarbeit herangezogen, musste sie sich wehren, um ihren Verpflichtungen der eigenen Familie entsprechen zu können. Immerhin war sie Mutter von vier Töchtern (Elke, geb. 1954 / Petra, geb. 1955 / Angela, geb. 1961 / Sylvia, geb. 1970) und ihr Lebensgefährte arbeitete auf Montage. Über den Umweg – Kindergarten Pretzsch – gelang die Rückkehr in den Kindergarten “Storchennest“ Bad Schmiedeberg als Gruppenerzieherin und später der Wechsel in den Kindergarten „Sonnenblume“, in dem sie bis zum Eintritt in den Vorruhestand 1991 tätig war. Wenn Sie heute durch den Ort geht, trifft sie „ihre“ Kinder von einst – teilweise heute selbst Eltern oder gar Großeltern. Die Städte und Dörfer, so sagt sie, sind nach der Wende ansehnlicher geworden, bunter, schöner. Die Menschen haben mehr Freiheit, aber sie haben sich auch verändert. Die Erziehungsansätze sind andere geworden und es macht nachdenklich, wenn heute Kindergärtnerinnen sagen: Sei froh, dass du nicht mehr arbeiten musst. Doch bei sieben Enkeln und vier Urenkeln war ihre Hilfe und ihre Betreuung oft familiär gefragt und sie war froh darüber. Nachdem sie in ihrem Leben das traurige Schicksal ereilte zweimal die Lebenspartner durch Tod zu verlieren, ist es für sie schön ansonsten eine intakte und große Familie zu haben. Margit Kuk ist wunschlos glücklich, sagt sie und genießt die Zeit bei Handarbeiten, mit lesen, und malen, sie reist gerne und nutzt die Angebote in ihrem Heimatort: Einmal wöchentlich Seniorensport, Teilnahme an Spielnachmittagen, Tanzen im „Seniorenkreis“ – diese Gruppe zeigte ihr Können schon vor Publikum (Frauentagsfeier, Weihnachtsfeier).