MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dietmar Kuntzsch
Leidenschaftlich arbeiten und trotzdem zweifeln
Architekt und Hochschullehrer
Kollwitzstraße 38
10405 Berlin
Fon: 030 / 4425951
Denkt der Architekt und Hochschullehrer Professor Dietmar Kuntzsch an seine Schulzeit zurück, so fallen ihm vor allem die Sprüche über der Schultür ein. Vor und während der Nazizeit hieß es: Gott zur Ehre, der Jugend zur Lehre, ab 1945 wurde dann dazu aufgefordert, zu lernen und nochmals zu lernen.
Letzteres nahm sich Dietmar Kuntzsch zu Herzen, er wollte im Leben weiterkommen und besuchte nach bestandener Tischlerlehre die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, wo er 1956 sein Abitur ablegte. Dem schloss sich ein fünfjähriges Architekturstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee an, das er 1961 als Diplom-Architekt abschloss.
Der junge Absolvent nahm eine Arbeit beim Volkseigenen Betrieb (VEB) Industrieprojektierung auf und saß Anfang der sechziger Jahre wegen „Republikflucht“ und „Staatsfeindlicher Hetze“ zwei Mal in DDR-Gefängnissen.
Während seiner Zeit als Projektant im VEB Berlin-Projekt des Wohnungsbaukombinats Berlin war er unter der Leitung des Architekten Heinz Graffunder an Projekten wie dem Wohn- und Einkaufskomplex Rathausstraße und an der Planung für den Wohngebietskomplex Fannpfuhl Landsberger Allee/Weißenseer Weg beteiligt. Das Freizeitzentrum im Volkspark Friedrichshain, das heutige Café Schönbrunn sowie das abgerissene, rückgebaute Denkmal für Reinhold Huhn in der heutigen Schützenstraße tragen ebenfalls seine Handschrift. Dazu kamen städtebauliche Gutachten, Wettbewerbsarbeiten, Hochbauprojekte und unzählige Zeichnungen, die im Archiv der Akademie der Künste lagern.
Im Jahr 1971 begann der Architekt seine Lehrtätigkeit an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wurde im selben Jahr zum Dozenten, im Jahr 1980 zum Prorektor und 1981 zum Professor berufen und lehrte bis 1996.
Eine Kündigung des Senats und des Rektors wegen angeblicher „mangelnder persönlicher Eignung“ im Dezember 1992 konnte er nach langen juristischen Auseinandersetzungen erfolgreich abwehren. Seit seiner Berentung arbeitet er auch architektonisch für die Familie und für Bekannte, mit Studenten und Doktoranden. Einmal im Jahr trifft sich der Architekt und Hochschullehrer mit seinen Meisterschülern. Die Zusammenkunft beginnt um 19 Uhr mit Rotwein, man stellt seine aktuellen Projekte vor, und bei guten Gesprächen geht es bis in die frühen Morgenstunden.