MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gisela Krösel
Lehrerin mit dem Herzen
Lehrerin und Bürgermeisterin
07907 Moßbach
„Am Anfang war die Tat“, ist das Lebensmotto von Gisela Krösel, das für sie zu einer Richtschnur geworden ist. Sie kommt 1944 in Dittersdorf zur Welt. Der Großvater wird 1945 aufgrund einer Denunziation direkt von einer Taufe in das sowjetische Speziallager Buchenwald, dem früheren Nazi-KZ, gebracht. Später ist Gisela Krösel oft in der Gedenkstätte Buchenwald und erzählt den Schülern beide Geschichten, ohne die Nazizeit und die sowjetische Besatzungsmacht gegeneinander aufzurechnen. Der Vater kehrt erst 1949 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Er ist Tischlermeister mit sechs Angestellten, die Tochter gilt als die „Tochter eines Kapitalisten“. Nach der Schule wartet die Arbeit auf dem Feld auf sie. Gisela Krösel gehört zu denen, die sich 1960 über die Bildung der LPG freuen, sie erhofft sich nun einfach ein leichteres Leben. Als eine begabte Leichtathletin erringt sie eine Menge Siege. Der Traum von der Sportschule platzt, nachdem ihre Mutter schwer erkrankt. Der Vater setzt jedoch durch, dass sie sich den Wunsch, später Lehrerin zu werden, erfüllen kann. Nach zwei Jahren Studium steht Gisela Krösel 1962 mit 19 Jahren zum ersten Mal vor Kindern der 1. und 2. Klasse, die sie in einem Raum gemeinsam unterrichtet. Sie freut sich jeden Tag auf ihre Arbeit und hat bald auch ein gutes Verhältnis zu den Eltern. Im selben Jahr heiratet sie ihren Mann Dieter, in den Jahren 1963, 1965 und 1968 kommen die Kinder Sven, Sören und Katrin zur Welt. Die Pädagogin überzeugt vor allem durch Können und Engagement. 1975 schließt sie nach fünf Jahren ihr Diplomstudium mit „Auszeichnung“ ab, hat während dieser Studienzeit zudem die eigenen drei Kinder in die Schule gebracht. Sie wird mit dem Titel Oberlehrer und später Studienrat ausgezeichnet, ein gestandener Kollege gratuliert ihr dazu mit den Worten: „Endlich einmal eine Lehrerin und kein Funktionär!“. Von 1976–1990 arbeitet sie als Direktorin und wird 1990 von ihren Kolleginnen und Kollegen bei einer Wahl in diesem Amt bestätigt. Trotzdem und auch gegen den Protest von Eltern und Schülern erklärt 1991 eine „Fünferkommission“ sie für das neue Schulsystem als für nicht geeignet. Auch dank der Unterstützung eines Pfarrers, der sie schon lange kennt, bekommt sie schließlich Recht, muss aber lernen, dass sie als Lehrerin in jedem politischen System als politische Beamtin angesehen wird. Sie kann die Herzen der Schüler auch jetzt noch gewinnen, denn sie lebt konsequent vor, was sie von ihnen fordert und ist der Meinung, dass man auch in dem neuen System den Beruf der Lehrerin mit Herzblut ausüben kann. Daran ändern auch finanzielle Nadelstiche, wie eine verdeckte Gehaltskürzung nichts. Im Jahr 2006 geht Gisela Krösel in den Ruhestand, doch schon am 8. März 2009 wird sie mit 97 % der Stimmen zur Bürgermeisterin von Moßbach gewählt. Sechs Jahre später erhält sie erneut eine satte Mehrheit. Sie überzeugt mit derselben Art, mit der sie bereits als Lehrerin erfolgreich war und kümmert sich intensiv um den Kindergarten von Moßbach, die Schule und alle Vereine. „Jedem Einwohner gilt mein Tun“, so Gisela Krösel. Sie hat inzwischen sechs Enkelkinder und entspannt sich beim „Wühlen in der Erde“ ihres Gartens, wobei sie von dem geernteten Obst viel verschenkt.