MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rolf und Waltraud Krumpe
„Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung.“ (Albert Einstein)
Ring der Bauarbeiter 8
06766 Bitterfeld-Wolfen
Fon: 03494 / 501843
Wer weiß, wie es gekommen wäre, wenn sein Vater nicht im Krieg geblieben wäre....Er hatte großes vor mit seinem erstgeborenen Sohn, doch die Nachkriegszeit hatte ihre begrenzten Möglichkeiten. Der 1943 geborene Rolf Krumpe lernte nach Abschluss der 8. Klasse Landmaschinenschlosser auf der MTS (Maschinen- und Traktoren-Station), arbeitet danach körperlich schwer in einer Schmiede – unterbrochen von seinem zweijährigen Armeedienst (1960–1962). 1965 wechselte er sowohl den Wohnsitz, als auch den Betrieb, denn er hatte inzwischen seine Frau Waltraud kennengelernt und in dem Jahr geheiratet. Im Elektrochemischen Kombinat Bitterfeld (EKB) fand er neue Herausforderung und Qualifizierung, arbeitete als Apparatefahrer und Anlagenfahrer bis zur Wende. Er erinnert sich noch gut, wie er auf der Arbeit im Radio die Nachricht hörte, die Grenzen seien geöffnet. Zu Hause berichtet er aufgeragt seiner Frau davon, wollte die Kinder informieren und erhielt selbst als Antwort von ihr: „Die sind schon lange in Berlin!“ Euphorisch sei er nicht gewesen, berichtet Rolf Kumpe weiter, auch wenn er nicht wisse warum. In ihm kam das Gefühl auf, eine Ära sei zu Ende gegangen. Er wusste, was er hatte: Guten Verdienst, sichere Arbeit, versorgte Familie. Er wusste nicht, was kommen würde – und sollte es schnell erfahren. Das ca. 90 %-ige Geschäft mit der Sowjetunion brach weg, und die Information, zu den Glücklichen zu gehören, welche die Arbeit behalten würden, erwies sich drei Tage später als falsch. „Ab 1. Januar seid ihr arbeitslos“, hieß es nun und läutete den Beginn einer ungewissen Zeit ein. Lehrgänge, ABM und Qualifikationen, wechselten mit Arbeitslosigkeit und verschiedenen Beschäftigungen im Abriss und Aufbau von Betrieben, Straßen- und Wegebau, sowie Wasser- und Abwasserrohrverlegung. Er lernte kompetente Führungspersönlichkeiten kennen, doch auch ignorante Großmannssucht. Er erlebte Firmenkonkurs und Verhaftung des Inhabers. Als er das 60. Lebensjahr erreichte, war er nicht mehr motiviert, weiter im Arbeitsamt um Beschäftigung zu betteln. Er nahm die Rente mit Abschlägen in Kauf und trat in den Ruhestand.
Ehefrau Waltraud (Buchhalterin) war schon 1998 entlassen worden, hatte nach der Arbeitslosenzeit ebenfalls die vorzeitige Rente gewählt. Langeweile kam nicht auf bei den Krumpes, denn seit 1977 bewirtschaften sie ihren Garten und 20 Jahre war Rolf Krumpe als 2. Vorsitzender im Vorstand des Gartenvereins Wolfen Nord e. V. aktiv. Waltraud Krumpe besucht regelmäßig ein Fitness-Center, ist mit Freude auch beim Line Dance dabei und liest viel. Die Eheleute feiern 2015 die Goldene Hochzeit und blicken auf ein erfülltes Leben und eine Familie mit gutem Zusammenhalt. Die Töchter Kerstin (geb. 1966) und Peggy (geb. 1969) haben für zwei Enkel gesorgt und deren Entwicklung noch lange, gesund und gemeinsam erleben zu dürfen, darauf freuen Waltraud und Rolf Krumpe.