MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Erika Krüger
Das Kofferpacken prägte ihr Leben
Verkäuferin / Kauffrau / Bürokauffrau
Merseburger Str. 17
12689 Berlin
Ehemalige Ehrenämter: Hauptkassiererin im Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) / Vorsitzende einer Betriebsgewerkschaftsleitung (BGL) / Mitglied einer Schiedskommission und eines Elternaktivs
Denkt Erika Krüger, geborene Grätsch, an ihre Kindheit zurück, hat sie oft Tränen in den Augen.
1943 wurde sie, fast sechsjährig, eingeschult. „Ich kann mich nicht erinnern, ob ich eine Schultüte bekam. Ich weiß nur, ich trug einen roten Mantel und einen Strohhut“, sagt Erika Krüger, die evangelisch erzogen wurde. Mutter Gertrud war Schneiderin, Vater Emil selbstständiger Töpfer und Ofensetzer.
Im Frühjahr 1945 flüchtete die Familie vor der Roten Armee aus ihrem Heimatort Liebenfeld. Sie war danach in Königsberg und gehörte zu den letzten, die aus dem Kessel um Königsberg / Ostpreußen herauskamen. Zu Fuß erreichte sie die Insel Wollin, kam ein Lager unter freiem Himmel und mit Stacheldraht, dann nach Wolgast, wo ihnen Einheimische halfen. Durch die Vertreibung wurde die Familie auseinandergerissen und bis heute fehlt von einigen Familienmitgliedern jede Spur. „Nach Abschluss der Schule 1952 war Säuglingsschwester mein Wunschberuf. Da ich noch nicht 16 war, wollte ich die Zeit als Bürohilfe überbrücken. In der Schule fragte man, wer noch keinen Lehrvertrag habe. Ich meldete mich. Plötzlich bekam ich einen Ausbildungsvertrag zur Verkäuferin für Lebensmittel“, erzählt Erika Krüger. „In der Zeit trat ich aus der Kirche aus, weil ich für meinen Glauben nicht noch bezahlen wollte. Wegen einer Krankheit konnte ich nicht als Verkäuferin arbeiten, war deshalb in der Buchhaltung tätig.“ Weil Ehemann Dieter, Offizier bei der Armee, oft anderswo Dienst tun musste, zogen die Krügers mehrmals um. Nachdem die Frau wegen der Töchter Elke und Ines von 1960 bis 1964 zu Hause geblieben war, fing sie in Schwerin als Verkäuferin bei der Handelsorganisation (HO) an. Nach einem erneuten Umzug war sie Sachbearbeiterin in der Tierzucht, danach Bereichsbuchhalterin in der Pflanzenproduktion, später Chefsekretärin. 1974 bildete sich Erika Krüger zur Kauffrau in der Landwirtschaft weiter. „Dann packten wir wieder die Koffer und zogen nach Saßnitz. Dort arbeitete ich im Fischwerk als Wirtschaftsleiterin, danach als Sachbearbeiterin bei der Armee. Ab 1987 übte ich denselben Beruf bei der Marine aus“, berichtet Erika Krüger, die sich nach der Wende zur Bürokauffrau umschulen ließ. Weil ihr Mann in Berlin eine Arbeitsstelle bekommen hatte, zogen sie das achte Mal um. In der Hauptstadt betreuten sie ältere Menschen, kauften für sie ein, halfen bei Behördengängen.
Jetzt liest die vierfache Oma und Uroma von Zwillingsenkeln Belletristik und Bücher zur Geschichte, näht und strickt, betreibt Wassergymnastik, verreist gern. Gesundheit für die ganze Familie ist ihr größter Wunsch.