MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dipl.-Ing. Günter Krug
Uhrentüftler
Krug Feingerätetechnik
Bahnhofstraße 23
99842 Ruhla
Fon: 036929 / 86813
Fax: 036929 / 86814
E-Mail: krug-feingeraetetechnik(at)t-online.de
Siebenundzwanzig Jahre lang hatte er den Vorsitz der Gesellschaft
für Uhrentechnik der DDR inne. Diplomingenieur Günter Krug war
einer der Experten schlechthin auf seinem Spezialgebiet. Nach dem
Studium der Feinmechanik und Optik an der TU Dresden wirkte er
zunächst zwei Jahre in Karl-Marx-Stadt und entwickelte rotierende
Speicher für elektronische Rechenmaschinen. Seit 1959 lebt und arbeitet
er in Ruhla. Im Uhrenwerk fand er seine berufliche Erfüllung. Bis zum
Chefkonstrukteur und Forschungs- und Entwicklungsleiter hatte er sich
emporgearbeitet. Seine fachliche Qualifikation war über jeden Zweifel
erhaben. Trotzdem wurde er 1980 gestürzt und beruflich kaltgestellt.
Einige Herren vom Ministerium für Staatssicherheit nahmen ihm die
konsequente Zurückweisung jeglicher Angebote zur Mitarbeit übel.
Damit zerstörten sie nicht nur eine Karriere, sondern schädigten auch
den Devisenbringer Uhrenwerke Ruhla nachhaltig. Immerhin war das
Versandhaus Quelle einer der größten Abnehmer. Aber die Entscheidung
stand fest. Günter Krug durfte nach vier Jahren den Bereich Technische
Zuverlässigkeit aufbauen und bis zur Wende führen. Nebenher bildete
er Uhrmachermeister aus. Das Herzstück der Uhrenwerke, der Bereich
Entwicklung, aber war und blieb ihm verschlossen. Er vertiefte sich in
die Theorie und veröffentlichte mehrere Fachbücher zum Thema Uhren.
1993 gründete er mit seinem Sohn eine Uhrenmanufaktur am heutigen
Firmensitz. Aber das Marktsegment war satt, der Absatz lief nicht so
wie notwendig. Die Tüftler mussten sich umorientieren. Sie suchen sich
immer neue Nischen für hochwertige anspruchsvolle Produkte der Feinmechanik.
Ein Beispiel ist Zubehör für elektrische Modelleisenbahnen.
Augenblicklich arbeiten sie an einer sehr speziellen, die technisch völlig
neu ist. Günter Krug ist stolz darauf, mit seinem kleinen Betrieb innovativ
tätig zu sein, technische Entwicklung zu betreiben. Sehr lukrativ ist das
aber nicht. Er fing mit zehn Mitarbeitern an, kann momentan gerade
einem Lohn und Brot garantieren, muss einen Haufen Schulden tilgen.
Er ist nach wie vor beruflich so eingespannt, dass er kaum Zeit findet,
seinem Hobby, der Malerei, zu frönen.