MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga und Helmut Kretzschmar
„Sonst, wie die Alten sungen, so zwitscherten die Jungen...“ (Johann Wolfgang von Goethe)
Sachbearbeiterin Steuern / Abgaben
Maurer, Feuerungsmaurer
07768 Kahla
Helmut Kretzschmar wurde am 1941 in Wermsdorf / Sachsen als Sohn eines Maurers geboren. Nach dem Schulbesuch mit Abschluss der 8. Klasse, entschied er sich in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und den Maurer-Beruf zu erlernen. Beim VEB Kreisbau Riesa absolvierte er eine entsprechende Lehre, kehrte nach Abschluss in seinen Heimatort zurück und nahm im gleichen Betrieb wie sein Vater (Firma Liebers) die Arbeit auf. Doch zwei Jahre später wollte er sich auf eigene Füße zu stellen, vom Elternhaus loslassen. „Nach vier Wochen ist der wieder da,“ glaubte sein Vater. Doch diese Vermutung erfüllte sich nicht. Ab 1959 für den Spezialbau Leipzig (Ofen- und Feuerungsbau) auf Montage tätig, baute Helmut Kretzschmar fortan DDR-weit Öfen in Porzellanwerken. Als das Porzellanwerk Kahla neu errichtet wurde und er hier 1 ½ Jahre eigesetzt war, lernte er seine Frau Helga kennen und entschied sich in Kahla zu bleiben. 1962 heiratete das Paar. Der Mauerbau in der DDR 1961 und die folgende Einführung der Wehrpflicht, führten zu seiner Einberufung im Herbst 1962. „Glück im Unglück“ war sein Einsatz bei der Bereitschaftspolizei in Rudolstadt, also ganz in der Nähe von Kahla und seiner Frau. 18 Monate später kehrte er in seinen Betrieb zurück, der indessen in das Kombinat Spezialbau Magdeburg integriert worden war. „Es ging weiter: Ofenbau, Ofenbau, Ofenbau und dann suchte das Porzellanwerk Kahla fünf Maurer als ständige Stammbrigade,“ berichtet Helmut Kretzschmar von dem Auftakt seiner Arbeit vor Ort, die er bis 1993 weiter ausführen konnte. Erst mit der politischen Wende in der DDR änderten sich seine Tätigkeitsfelder wieder. Der Übernahme durch einen westdeutschen Investor folgte der Einsatz in den alten Bundesländern. Aus dieser Zeit erzählt Helmut Kretzschmar: „Wir waren Kollegen aus dem alten und den neunen Bundesländern mit gleichen Aufgaben. Die aus den alten erhielten einen Stundenlohn von 24 D-Mark, wir einen von 11 D-Mark.“ 1993 hatte er genug von der Montage-Tätigkeit. Er wechselte zu einer privaten Baufirma in Kahla. Regelmäßig in den Wintermonaten arbeitslos, entschied er sich später zur Arbeitsaufnahme bei der Firma Umwelttechnik und Wasserbau Kahla. Als Maurer eingestellt, arbeitete er drei Jahre als Tiefbauer, fiel dann Stellenabbau zum Opfer. Im Rahmen einer ABM putzte er erst in der Tafel die Fenster ein und wurde die restliche Zeit des Beschäftigungsjahres für alle andere anfallende Arbeiten weiterbeschäftigt. Mit 60 Jahren trat er vorzeitig und unter der Hinnahme von Abzügen in den Ruhestand. Sohn Andreas, geb. 1962, führt die Familientradition fort, arbeitet wie Großvater und Vater als Mauer (und Fliesenleger), allerdings in der Selbstständigkeit. Helga Kretzschmar (geb. 1939) ist stolz auf „ihre Männer“. Sie erzählt von ihrer Familie: In 3. Generation ist sie „Kahlsche“, also Kahlaerin. Großvater (Brenner) und Vater (Porzellanmaler) waren im Porzellanwerk tätig, sie selbst ergriff nach der 8. Klasse einen Verwaltungsberuf außerhalb. Der Lehre bei Carl-Zeiss Jena folgte die Arbeit als Lohnbuchhalterin in der Streichgarnspinnerei Zwabitz, und nach der Kinderauszeit in der Stadtverwaltung Kahla. In der Finanzbuchhaltung mit Steuern befasst, musste sie nach der Wende viel dazulernen, Lehrgänge besuchen, sich weiterbilden. Bis zum Renteneintritt war sie insgesamt 33 Jahre in der Stadtverwaltung Kahla tätig. „Ich hab’ meine Steuern geliebt...“ beschreibt sie ihre Erfüllung im Beruf. Jetzt hält sie sich im Gymnastikverein und Helmut Kretzschmar sich mit Gartenarbeit fit. Die Kretzschmars sind stolz auf ihren Sohn. Sie freuen sich an ihrer Enkeltochter und verbringen ihre Zeit gerne auch mit Freunden.