MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst und Sylke Kreßner
„Einer trage des anderen Last.“ (Zitat aus Brief des Paulus an die Galater)
Bauschlosser, Landwirt, Pferdezüchter
Holzspielzeugmachermeisterin
Dorfstr. 14
09557 Flöha OT Falkenau
Fon: 03726 / 711966
Der 1950 in Falkenau geborene Horst Kreßner lebt auf dem Hof seiner Vorfahren, der seit 1653 im Familienbesitz ist. Er berichtet davon wie sich seit seiner Kindheit alles verändert hat: Von klein auf mussten er und seine drei Geschwister auf dem Hof helfen. „Mit sieben Jahren habe ich schon alleine Pferdegespänne gefahren, denn der Vater hatte sich 1957 die rechte Hand bei der Arbeit auf dem Hof abgesägt...“ berichtet er und davon, dass die Eltern sich erst 1964 dem nachhaltigen Druck der LPG (Typ I, gemeinsame Feldarbeit, private Tierhaltung) beizutreten beugten. 1956–1966 besuchte er die Schule, lernte danach den Beruf Bauschlosser in einer privaten Schlosserei. 1969 ausgelernt, absolvierte er seinen Pflichtwehrdienst und kehrte danach in seinen Ausbildungsbetrieb zurück. Auf dem Tanzboden lernte er seine Frau Sylke kennen. „Zu der Zeit gab es noch in jeder Dorfgasstätte einen Saal und am Wochenende Tanz darin...richtig mit Kapelle denn Disco gab es ja noch nicht... der Eintritt kostetet 2,50 Mark ....“ erklärt er wie sich damals viele Paare fanden. Nun mit der Familienplanung beschäftigt und ab 1973 verheiratet, wechselte er die Arbeitsstelle, denn 400 Mark als Lohn für einen Gesellen reichten schlichtweg nicht mehr aus. In der privaten Firma eines Großcousins arbeitete er fortan weiter als Bauschlosser und legte in Abend- und Sonnabend-Lehrgängen Schweißerprüfungen ab. Im Nebenerwerb kümmerte er sich auf dem elterlichen Hof um die Schafe, Schweine und das andere Viehzeug. Auch Obst, Gemüse, Kartoffel, Futtermittel wurden selbst angebaut. Die Eigenversorgung der Familie war so gewährleistet, die Pflichtangaben an die LPG gesichert. Als 1988 eine staatliche Entscheidung die Errichtung eines Gemüsezentrums im Ort Falkenau zur besserten Versorgung der Bevölkerung festlegte, entschied sich Horst Kreßner dort die Arbeit aufzunehmen. Doch mit der Wende endete das Projekt jäh. Horst Kreßner wurde 1990 gekündigt. Aus der Arbeitslosigkeit ging er in die Selbstständigkeit im Nebenerwerb. Ein wurde Wiedereinrichter und begann mit einer Pferdezucht. Drei Jahre Abendschule sorgten für die theoretischen Grundlagen durch die Ausbildung zum Landwirt mit Schwerpunkt Pferdezucht. Aufgewachsen in der Landwirtschaft und in der Jugend selbst aktiver Pferdesportler (Military) kam ihm diese Arbeit sehr entgegen. Nebenher wurde der Hof grundlegend umgebaut und auch noch Miet-Wohnraum geschaffen. 1990 wurde die staatliche Jagd privatisiert. Im Ort musste eine neue Jagdgesellschaft gegründet werden. Horst Kreßner wurde der Vorsitzende und war 1990–2006 ehrenamtlich so tätig. Zusätzlich arbeitete Horst Kreßner fünf Jahre noch in einer privaten Schlosserei. Jedes zweite Wort von Horst Kreßner ist „nebenbei“, doch die Aufzählung seiner Aktivitäten zeugen von außerordentlich großen Herausforderungen und nahezu unbegrenztem Engagement. „Und nebenbei haben wir auch zwei Kinder großgezogen...“ sagt seine Frau Sylke deshalb scherzhaft. Jan (geb. 1975, Maler, Lackierer) und Sandra (geb. 1977, Bankkauffrau) haben indessen für vier Enkel gesorgt. Sylke Kreßner wurde 1951 geboren. Der 8-jährigen Schulzeit in Lengefeld / Erzgebirge folgte die Ausbildung zum Holzspielzeugfacharbeiter (drei Jahre Ausbildung) in der Malerei der Firma Wendt & Kühn. Bis 1992 war sie so tätig, danach – in Anerkennung ihrer langjährigen Erfahrung und wegen der Erweiterung des ehemals kleinen DDR-Betriebes zu einem mittelständigen Unternehmen – als Meisterin in der Malerei bis 2015 – ihrem Eintritt in die Rente. Drei Jahre lang arbeitete sie weiter aushilfsweise in der Reparaturabteilung des Unternehmens. Die Kreßners sind stolz auf das Geschaffene und auch sehr auf ihre Kinder und Enkel. Ohne den Zusammenhalt und das gegenseitige Unterstützen in der Familie wäre vieles nicht möglich gewesen. Ihre Eltern waren ihnen stets Vorbild und sie selbst haben so gearbeitet, sich durchgesetzt, aber auch zuverlässig und ehrlich gelebt, dass auch sie eine solche Wirkung auf andere haben können. Mit der Familie Zeit zu verbringen ist besondere Freude. Lesen, schwimmen, weiterbilden, Haus und Garten sind tägliche Beschäftigung. Der größte Wunsch der Eheleute: Selbstständig bleiben!