MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Wolfgang Kretzschmar

„Wir sollten die Zeit nicht nur aussitzen, sondern wir sollten leben.“ (Unbekannter Autor)

Wolfgang Kretzschmar

Schmied
Hauptstr. 53 c
09306 Königshain Wiederau OT Topfseifersdorf

Wolfgang Kretzschmar wurde 1932 als erstes Kind seiner Eltern (später noch eine Tochter) geboren. Seine Mutter war noch keine 18 Jahre alt, der Vater verdiente in der Landwirtschaft kaum Geld. Um mehr für die Familie zu verdienen wechselte er deshalb in eine Weberei und brachte – nun als Weber tätig – jede Woche 24 Reichsmark nach Hause. Die Mutter ergänzte das Familienbudget mit Heimarbeit. Handschuhe nähte sie zu Hause. Als Wolfgang und seine jüngere Schwester etwas älter waren halfen sie, drehten die Fingerhandschuhe nach dem Nähen auf die richtige Seite. Seinen Vater sah er während eines Fronteinsatzurlaubs im Januar 1945 letztmalig. 35-jährig verlor der Vater sein Leben, fiel im Krieg. Die 30 Jahre junge Mutter stand nun mit dem 13-jährigen Sohn und der 11-jährigen Tochter alleine da. Sie heiratet nie wieder, obwohl sie stolze 89 Jahre alt wurde. Sohn Wolfgang besuchte 1938–1946 die Schule. Er erinnert sich noch an die SS-Lehrer und deren Einflussnahme auf die jungen Menschen. „Der Lehrer schrieb auf mein Entlassungszeugnis: Fehlender Wille, mangelnde Ausdauer verhindern den Erfolg....“ lacht Wolfgang Kretzschmar und erklärt weiter: ...ich bin aber dann trotzdem noch was geworden....“. Ein halbes Jahr arbeitete er nach der Schule in der Landwirtschaft um etwas Geld zu verdienen „...als Kuhpampel wie man das früher nannte...“ berichtet er. Dann erhielt er die Möglichkeit eine Lehre in der Schmiede Zschoppleshain aufzunehmen. Kost und Logis waren zugesagt, für die alleinstehende Mutter in der schweren Nachkriegszeit eine gute Unterstützung. Doch als die Frau des Schmiedes äußerte, der Lehrling fräße ihr die Haare vom Kopf, verzichtete sie auf die Fremdversorgung des Sohnes. Tagein, Tagaus lief er nun in Holzpantoffeln zur Lehre, lebte jedoch zu Hause. Mit dem Abschluss in der Tasche meldete er sich auf dem Arbeitsamt und wurde in die WISMUT (Bergbau) vermittelt. 1950–1951 arbeitete er dort unter Tage. Nach Hause zurückgekehrt, arbeitete er kurz in der Landwirtschaft und als Schmied bei einem Landmaschinenschlosser, bevor er im Steinzeugwerk Frankenau und später im „Löwenbräu“ Mittweida eine Arbeit aufnahm. In dieser Zeit lernte er seine Frau Liesbeth (verstorben 2008) kennen. Das Paar heiratete 1955 und konnte sich über die Kinder Hartmut (geb. 1956, Berufskraftfahrer), Christine (geb. 1958, Verkäuferin) und Petra (geb. 1960, Verkäuferin) als Familienzuwachs freuen, die ihrerseits indessen für fünf Enkel gesorgt haben. Wolfgang Kretzschmar kehrte 1964 der Brauerei den Rücken, arbeitete wieder als Schmied in einer LPG. Er besuchte die Hufbeschlagschule, wurde nach deren Abschluss jedoch fast ausschließlich nur noch als Landmaschinenschlosser eingesetzt. Als LPG-Mitglied verdiente er deutlich mehr wie in der Brauerei, was der jungen Familie zugute kam. Mit der politischen Wende in der DDR und der folgenden Auflösung der LPG wurde Wolfgang Kretzschmar entlassen. Ein Jahr ABM und Arbeitslosigkeit waren Stationen auf dem Weg in die Rente. Zeitlebens zusätzlich geleistete Arbeitsstunden und eine freiwillige Zusatzrente wurden nun zum Glück bei der Rentenberechnung. Wolfgang Kretzschmar blickt zufrieden auf sein Leben zurück. „Wenn ich nochmal jung wäre würde ich wieder in der Landwirtschaft arbeiten“ sagt er. Und er erzählt auch von seinem gesellschaftlichen Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr seit 1948. 2018 erhielt er das „Ehrenkreuz für 70 Jahre treue Dienste in der Freiwilligen Feuerwehr“! 27 Jahre davon war er Wehrleiter. Ein Einsatz ist ihm ganz besonders in Erinnerung geblieben: Ein Großbrand in einer Fastnacht bei 24 Grad minus. Das Wasser fror ein wenn es nicht durchgehend lief. Die betroffene Käserei brannte aus, das nebenliegende Wohnhaus konnten die Kameraden trotz der widrigen Umstände retten. Wolfgang Kretzschmar ist agil, aktiv und sorgt für sich selbst. „Gerade habe ich für mein Auto noch den TÜV für zwei Jahre bekommen, da kann ich fahren und einkaufen. Ich mache noch alles selbst.“ Der älteste männliche Einwohner seines Ortes freut sich auf den Sommer, weil er dann wieder in seinen Garten kann und auch, dass er als Hausmeister im Miethaus gebraucht wird. Er denkt an sein Vorbild, seinen Onkel Kurt: „Der ist 91 Jahre geworden, das will ich auch, aber ohne seine Ersatzteile!“ sagt er lachend.
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