MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hanna Kretschmer
46 Jahre Betriebstreue
Mechanikerin
Burkersdorfer Str. 12
09217 Burgstädt
Zur Treue gegenüber dem Arbeitsgeber kam die Treue im Familienleben. 60 Jahre bis zur diamantenen Hochzeit war Dieter Kretschmer an ihrer Seite, bevor er im Jahr 2016 verstarb. Im sächsischen Burgstädt war sie als Hanna Lasch 1938 zur Welt gekommen, die für sie trotz der Kriegszeit eine sorgenfreie war, denn die hauptsächlich in der Textilindustrie tätigen Eltern nutzten das eigene Grundstück für die Selbstversorgung, für Gartenfrüchte, aber auch Weizen und Kartoffeln. Ab 1944 besuchte die junge Hanna die Goetheschule in Göppersdorf (Ortsteil von Burgstädt). In der Dorfschule wurde noch in nach Jungs und Mädchen getrennten Klassen unterrichtet. Das änderte sich später beim Wechsel in die Stadtschule, wo die lernfreudige Hanna 1952 die achte Klasse abschloss. Neben der Schule gab es schon Arbeit für die Familie beim Heuwenden und anderen Gelegenheiten. Von Anfang an war klar, dass ihr Beruf mit etwas Handwerklichem zu tun haben sollte, denn sie musste sehen können, was sie geschaffen. So wurde die dreijährige Lehre zur Mechanikerin bei der Firma F. G. Häberle & Co. Burgstädt zur Grundlage ihres ganzen Arbeitslebens, zumal der Chef Alfred Görmar und später dessen Sohn viel für die Entwicklung des Betriebes taten. Dies hinderte die politische Macht nicht, den Betrieb 1972 zu verstaatlichen, der fortan als VEB Elektronische Geräte firmierte. Doch Hanna Kretschmer blieb weiter dort, fertigte vor allem Verstärker für Rundfunkgeräte, Fernseher, Sendeanlagen. Auch als das Werk 1990 reprivatisiert wurde und mit der Firma KATHREIN verschmolz, blieb sie, ging erst 1998 mit sechzig Jahren in den dann wohl verdienten Ruhestand. Nun hatte sie endlich die Zeit, im geliebten Garten alles so zu machen, wie sie es sich vorstellte.
Als drei Jahre später auch ihr Mann in Rente ging, engagierten sich beide in der örtlichen Kirchgemeinde. Bis heute kümmert sich Hanna Kretschmer um den Frauendienst und die Senioren, während ihr Mann Dieter bis zu seinem Tod im Jahr 2016 als Küster in der Kirche sechzehn Jahre verdienstvoll zugange war. Sein Engagement wurde nach seinem Hinscheiden von allen anerkannt, von den Menschen, die er einst im Übersiedlerheim umsorgt hatte, von den Menschen der Gemeinde, die seine unbedingte Einsatzbereitschaft schmerzlich vermissen. Ihren Dieter hatte sie einst beim Tanzen kennengelernt, 1956 wurde geheiratet. Er hatte den Malerberuf gelernt, in seinen jungen Jahren auch familiär bedingt Auftritte als Schauspieler absolviert. Später arbeitete er als Betriebsmaler und leitete zuletzt das Übersiedlerheim. 1957 kam Tochter Franzi zur Familie hinzu. Die studierte Diplom-Chemikerin sorgte für eine Enkelin.