MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst Kriese
Die Geschichte der Landwirtschaft in der Müritzregion mitgeprägt
Staatlich geprüfter Landwirt, Ehemaliger Vorsitzender der ÖLB und LPG Minzow
Chausseestraße 13
17207 Kambs
Fon: 039925 / 2466
Horst Kriese, ein Mann des Jahrgangs 1925, gehört zu den letzten noch lebenden Zeitzeugen, die ihre Jugend an der Front und in der Gefangenschaft zubringen mussten und sich anschließend als Aktivisten des Wiederaufbaus in der Industrie und Landwirtschaft einbrachten. Geboren in Erbenswunsch, Neumark in der Mark Brandenburg, wurde er im Januar 1943 zur Waffen-SS verpflichtet und in Frankreich und Belgien zum Besatzungssoldaten ausgebildet. Die Landung der alliierten Truppen führte ihn im März 1944 in die Gefangenschaft, die sich über England, die USA und wieder Frankreich bis August 1950 zur qualvollen Odyssee auswuchs. Die Angst vor der „Rache der Russen“ im Osten Deutschlands ließ Horst Kriese nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft im März 1950 noch im Westen in der Region Mainz bei Gemüsebauern sein erstes Geld verdienen, bis er zu Weihnachten des Jahres bei seinem Vater im mecklenburgischen Minzow bei Röbel anklopfte. Im elterlichen Betrieb der alten Heimat hatte Horst Kriese nach dem Besuch der Volksschule 1939 bis zu seiner Einberufung auch eine landwirtschaftliche Ausbildung erhalten. Mit diesen Fertigkeiten war er auch in der Forstwirtschaft und später bis 1952 im Röbeler Gleisbau ein gefragter Mann. Mit der väterlichen Büdnerei und einem kleinen Fuhrbetrieb gründete Horst Kriese 1953 zusammen mit drei anderen Landarbeitern in Minzow den Örtlichen Landwirtschaftbetrieb (ÖLB), der ein Jahr später in eine LPG des Typs III überging. Bereits in diesen Anfangsjahren bewährte sich Horst Kriese als gut wirtschaftender LPG-Vorsitzender, der auch ab 1960, dem Jahr der „druckvollen Kollektivierung“ der Landwirtschaft, ein allseits anerkannter und erfolgreicher Vorsitzender bis 1985 blieb. Ab 1971 leitete Horst Kriese die LPG Tierproduktion Minzow und Woldzegarten zwar mit „straffen Zügeln“, aber zum Nutzen seiner etwa 70 Genossenschaftsmitglieder und Beschäftigten. Mit einem jährlichen Gewinn von 1 bis 2 Mio. Mark war die LPG zu bedeutenden Investitionen in die Sozial- und Infrastruktur der Genossenschaft sowie der Gemeinde in der Lage. So entwickelten sich die LPG und die Gemeinde unter Führung des LPG-Vorsitzenden Horst Kriese in den 70er und 80er Jahren zu einem attraktiven Wirtschafts- und Wohnstandort in der Müritzregion. Noch heute erinnern sich ehemalige LPG-Mitglieder gern an ihren strengen Vorsitzenden und die von ihm initiierten Auszeichnungsreisen in die Sowjetunion. Geehrt mit dem Titel „Hervorragender Genossenschaftsbauer“ und mit dem Orden „Banner der Arbeit“, war Horst Kriese auch als Abgeordneter des Kreistages und Mitglied des Bezirksvorstandes der Vereinigung für gegenseitige Bauernhilfe (VdgB) ein hoch geschätzter Landwirt, der die Geschichte der Landwirtschaft im Kreis Röbel über mehr als drei Jahrzehnte hinweg entscheidend mit geprägt hat.