MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. Herbert und Edith Krauße
„Das Entscheidende am Wissen ist, dass man es beherzigt und anwendet.“ (Konfuzius)
Ernst-Toller-Str. 15
06766 Wolfen-Nord
Fon: 03494 / 22517
Als Sohn eines Bauern und Müllermeisters 1941 geboren, hätte der Vater von Herbert Krauße es gerne gesehen, wenn dieser in die väterliche Landwirtschaft eingestiegen wäre. Doch dessen schulische Leistungen waren überdurchschnittlich gut, so dass der Vater schweren Herzens dem Besuch der Oberschule zustimmte. Viel später – im Zuge der Kollektivierung in der Landwirtschaft und dem Betritt des elterlichen Hofes zur LPG – war er sehr froh seinen Sohn bei dem eigenen Weg unterstützt zu haben. Der interessierte sich seit der Grundschule für Chemie. 1959 das Abitur in der Tasche, musste er ein Jahr im Buna-Werk arbeiten und nahm danach an der Universität Halle ein Studium auf. Dem Abschluss nach fünf Jahren schloss er eine Praxisaspirantur an. Der junge Doktor der Chemie nahm die Arbeit in der Farbenfabrik Wolfen auf, arbeitete in der Farbenforschung (Textilfarben, optische Aufheller) – eine Fortsetzung seiner Promotion, die sich bereits mit diesem Thema beschäftigt hatte. Die politische Wende in der DDR und die damit verbundenen betrieblichen Strukturänderungen, führten zur Auflösung der Forschungsabteilung (2000 Beschäftigte!) und Dr. Herbert Krauße damit in die Arbeitslosigkeit. Ein viertel Jahr war er arbeitslos, absolvierte einen Lehrgang Umweltanalytik und legte damit den Grundstein für seine neue Tätigkeit als Laborleiter im neu eröffneten Klärwerk. „Elf Jahre lang habe ich da noch gearbeitet...das war meine beste Zeit...ein nagelneues Labor, drei Laborantinnen, es war ein sehr schönes Arbeiten...“ berichtet er von seinen letzten Arbeitsjahren und dem folgenden Gang in die Rente. Seit 1986 in zweiter Ehe mit Edith verheiratet, erlebten die Eheleute diese Zeit bereits gemeinsam. Edith Krauße wurde 1940 in Wilkucice (Polen) in eine Bauernfamilie hineingeboren. Ein deutscher Vorfahre der Familie hatte einst als Brunnenbauer im Sumpfgebiet bei Lodz gearbeitet und war dort ansässig geworden berichtet sie von ihren Wurzeln. 1949 kehrte sie mit ihrer Mutti und den Geschwistern nach Deutschland zurück. Ihr Vater kam nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft zu ihnen. Die politischen Umstände führten dazu, dass das Mädchen Edith erst mit neun Jahren erstmals die Schulbank drückte. Innerhalb von fünf Jahren erlangte sie in Deutschland dann den 8-Klassen-Abschluss, wollte gerne weiter lernen. Gegen den Widerstand des Vaters (bescheidene wirtschaftliche Verhältnisse der Familie) und mit Hilfe der Mutter erlangte sie schließlich auch noch den 10-Klassen-Abschluss. Ihr Traum in die Pflanzenforschung (Saatzucht) zu gehen scheiterte an einem fehlenden Ausbildungsplatz. Letztendlich gelang es ihr eine Lehrstelle (Chemielaborantin) und einen Internatsplatz im Chemiewerk Bitterfeld zu erhalten. „Und ich bin heute noch froh darüber, denn ich hatte ein erfülltes Arbeitsleben hier...“ berichtet sie. Ihren Plan die Ingenieurschule Köthen zu besuchen gab sie der Familiengründung zur Liebe auf. Die Töchter Dagmar und Kerstin und fünf Enkel sind der Lohn für diese Entscheidung. Zwei weitere Enkel sind dem Sohn von Dr. Herbert Krauße zu verdanken. Die Eheleute sind seit vielen Jahren Mitglied im Wanderverein und berichten davon wie das Wandern ihrem Körper und der Seele gut tun. Beide sind stolz auf ihre Lebensleistung und erinnern sich dabei auch dankbar an die frühere Unterstützung ihrer Eltern.