MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Marianne und Werner Krempin
„Es ist doch die schönste Sache, wenn man Freude hat an dem, was man tun soll in der Welt.“ (Jeremias Gotthelf)
Presserin
Berufskraftfahrer
Badstr. 18
04668 Grimma OT Kleinbothen
Fon: 03484 / 72429
Als Marianne Claus 1936 in Grimma geboren, wuchs das Mädchen mit drei Geschwistern auf. 1938 hatten die Eltern in der Grimmaer Siedlung ein Haus gebaut. 1940 fiel der Vater im Krieg und die Mutter stand mit den vier Kindern alleine da. Sie half bei Bauern aus, freute sich über jedes Körbchen Kartoffeln, das sie zusätzlich dort bekam. Zusätzlich trug sie Zeitungen aus und die Oma half wo sie konnte, damit die Familie zurecht kam. 1943–1951 besuchte die kleine Marianne die Schule, wäre im Anschluss gerne Schneiderin geworden, weil sie so gerne nähte. Doch die Lehrstellen waren knapp, sie erhielt keine. Mit ihrer Freundin ging sie bei einem Großbauern in Stellung und besuchte parallel zwei Jahre die Landwirtschaftsschule. 1955 heiratet sie Werner Krempin. Die Kinder Helmut (geb. 1955, Heizungsmonteur) und Jochen (geb. 1961, Dreher, Ing. für Heizungsbau) wuchsen der Familie zu und haben indessen für vier Enkel gesorgt. Als Ehemann Werner Krempin 1956 den väterlichen Hof übernahm, wirtschafte sie mit ihrem Mann gemeinsam in der eigenen Landwirtschaft bis 1961 der LPG-Beitritt das änderte. Sie nahm die Arbeit bei einem Korbmacher auf, fertigte Spitzhauben für Weinballons. Nach fünf Jahren wechselte sie in die Presserei von Gummimüller in Colditz. Eine körperlich schwere Arbeit mit Normvorgaben und im Schichtsystem, weswegen Marianne Krempin die Stelle erneut wechselte und in der Poststelle Großbothen als Raumpflegerin bis zum Erreichen des 60. Lebensjahres und damit der Rente tätig wurde. Zu Hause gab es genug zusätzliche Arbeit, denn Ehemann Werner (geb. 1935) war beruflich auch stark eingespannt und es galt Haus, Hof und die Hasen, Hühner und Enten zu versorgen. Werner Krempin hatte nach der 8-klassigen Schulbildung eigentlich den Stellmacher-Beruf erlernen wollen. Aber auch er erhielt keine entsprechende Lehrstelle. Es gelang ihm zwar vorübergehend eine Arbeit bei einem Stellmacher zu bekommen, doch der durfte keine Lehrlingen ausbilden und so blieb der Junge ungelernt. 18-jährig ging er auf Montage (Handlanger auf dem Bau), arbeitete ab 1956 – nach Übernahme des väterlichen Hofes – in der Landwirtschaft. 21 Bauern der Region wurden in drei LPGn gezwungen, die Arbeitskräfte integriert. Werner Kremplin wurde erst im Feldbau und ab 1969 als Kraftfahrer (Lkw) beschäftigt – bis zur politischen Wende in der DDR. Er kündigte seine Arbeitsstelle, arbeitete als Dreher im Pumpenbau Großbothen weiter. Mit 60 Jahren ging er in die Rente. Die Zeit wurde dem leidenschaftlichen Kaninchen- und Sporttaubenzüchter (seit 1956) nicht lang. Seine Frau hat ihn viele Jahre bei seinem Hobby unterstützt. Die beiden wohnen heute auf dem Hof der Eltern von Werner Kempin und sind froh darüber in ihrem Sohn einen Nachfolger dafür gefunden zu haben. Das ist ihnen besonders wichtig, weil viel Herzblut und Arbeit in dem Hof stecken. Einst als Neubauernstelle gegründet, kaufte der Vater einem Bauern ein zusätzliches Grundstück ab, errichtete hier das Haus. Immer wieder wurde es in den Jahren umgebaut und modernisiert, teilweise musste es „zwangserneuert werden, weil das Hochwasser in den Jahren 2002 und 2013 alles überschwemmte (stand Meter hoch bis über den Tisch im Raum). Und trotzdem leben die Krempins gerne in der Region, denn hier sind sie verwurzelt durch ihrer Eltern und ihrer eigenen Arbeit und Entwicklung. Gesund möchten sie bleiben und gemeinsam noch viele Jahre verbringen, das wünschen sie sich.