MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dietmar und Ines Kreißig
„Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht.“ (Fernöstliche Weisheit), sprich: „Lass los und du hast beide Hände frei!“
Dipl.-Agr.-Ingenieur
Hebamme, Pflegedienstleiterin
Floßberger Str. 8
04651 Bad Lausick OT Beucha
Fon: 034345 / 25461
In Bad Lausick wurde Dietmar Kreißig 1956 geboren und wuchs „praktisch so nebenbei mit auf“, wie er von seiner Kindheit auf dem privaten landwirtschaftlichen Hof der Eltern berichtet. Die Großeltern packten mit zu. Der Opa unternahm mit dem Jungen viel, der ansonsten oft alleine war. Der Wald wurde zum beliebtesten Spielplatz. Auf dem Feld helfen, herumstromern, Budenbau und spielen mit der Schwester und ihren Freundinnen gehörten zum Alltag. Aufmerksam beobachtete der interessierte Junge die Zeit der Kollektivierung in der Landwirtschaft. Das Auftreten der Werber, den wachsenden Druck auf die Eltern und schlussendlich der unausweichliche Gang in die LPG. Er sah wie der Großvater daran fast verzweifelte. 1975 schloss er seine Schulbildung mit dem Abitur ab. Der Wehrdienst folgte und nach ihm das Landwirtschaft-Studium an der Matin-Luther-Universität in Halle. Hier lernte er seine Frau Ines kennen, die gerade ein Hebammenstudium absolvierte. 1980 wurde geheiratet. Die Familienplanung erforderte neue Entschlüsse. Dietmar Kreißig wechselte vom Direkt- ins Fernstudium um nebenher arbeiten und Geld verdienen zu können. Als Traktorist arbeitete er am Tag, den Feierabend widmete er dem Eigenheimbau und die Nächte dem Schreiben seiner Diplomarbeit. Der Dipl.-Agr.-Ingenieur arbeitete ab 1982 als Futtermeister in der LPG – bis zur Wende. Die höfischen Voraussetzungen und erforderlichen Kredite schlossen die Entscheidung Wiedereinrichter zu werden aus. Als Gesellschafter und Abteilungsleiter trug er deshalb fortan weiter Verantwortung innerhalb der nachfolgenden Agrargenossenschaft. Schulungen, Umlernen, Neuorientieren waren nötige Begleiterscheinungen. Im Kartoffel-Vermehrungsbetrieb wurde er tätig und wegen seiner Erfolge „Kartoffelkönig“ genannt – der Wandlungskünstler mit zwei Seelen in einem Körper, der auch als Frauen-Double kulturelle Veranstaltungen anbietet. Ines Kreißig, geb. 1959, liebt sowohl die maskuline als auch die feminine Seite an ihrem Mann. Sie wuchs konfliktreich auf und schätzt ein, dass sie bereits da lernte intuitiv und diplomatisch zu sein. Die Diskrepanz in der Zeit ihres Heranwachsens (liebende Großmutter und blutjunge, dominante Mutter) führte damals zu ihrer Entscheidung: „Du wirst anders, wirst immer für alles offen sein.“ Diesem Vorsatz blieb sie konsequent treu. Die 10. Klasse mit Auszeichnung, die Ausbildung zur Hebamme und mit dem Schneepflug zur Hochzeit mit einem Mann der zwei Seiten hat – alles ihre Entscheidungen, die sie gegen jeden Widerstand und jede Häme durchsetzte. Als Hebamme arbeitete sie. Als Arztschwester war sie tätig und als Gemeindeschwester fuhr sie mit dem Motorrad übers Land. Für Menschen da zu sein war von jeher ihr Metier. Sie schwärmt von ihrer Arbeit und erzählt letztendlich beim Arbeitersamariterbund tätig geworden zu sein. Bald zählten nicht mehr Zuwendung und Hilfe, sondern Richtlinien, Kilometerzahlen, gezählte Stunden. Für sie eine gefühlte Unmöglichkeit. Mit einer Umschulung zur Arztsekretärin wollte sie den gesetzten Grenzen entfliehen. Weiterbildungen führten zum Einsatz als Stations-, Oberschwester und Pflegedienstleiterin. Doch sie fühlte sich zerrissen zwischen Aufgabenstellungen und Möglichkeiten und kündigte deshalb. Kurze Zeit war sie noch in der Altenpflege tätig, verließ dann das Gesundheitswesen wegen den Auswirkungen des Pflegenotstandes. Heute ist sie in der Recyclingwirtschaft tätig. Die Kinder Jan (geb. 1982) und Kerstin (geb. 1983) sind stolz auf ihre Eltern, die den Mut haben zu sein wie sie sind und diese gradlinige Einstellung an sie weitergegeben haben. Der sonntägliche Familientreff um 18.00 Uhr ist Kraftquell für die alle und zur lieben Tradition geworden.