MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Joachim und Dorothea Krauß

Seine Hände kennen keinen Ruhestand

Joachim und Dorothea Krauß

Webmeister
08496 Neumark

Mit fleißigen und geschickten Händen hat Joachim Krauß sein Leben gestaltet, im Beruf, bei den zahlreichen Hobbys waren sie ihm das wichtigste Werkzeug. Geboren 1937 in Beiersdorf, aufgewachsen in Erlmühle (heute Ortsteil von Neumark im Vogtland), war ihm die Weberei schon in die Wiege gelegt. Vom Großvater und Vater (der aber 1943 im Krieg blieb) wurde das Handwerk auf ihn vererbt. Nach dem achtjährigen Schulbesuch lernte er den Beruf, hatte aber wegen seiner sozialen Herkunft in den fünfziger Jahren anfangs keine Chancen, sich in der DDR weiterzuentwickeln. Darum arbeitete er zwei Jahre als Dreher, lernte dann in einem Jahr noch die Grundlagen des Webstuhlbaus, diente drei Jahre bis 1960 bei der Grenzpolizei, übernahm dann die Weberei des Großvaters, die zu jener Zeit schon Teil der Produktionsgenossenschaft des Handwerks „PGH Elite“ war. 1972 wurde die ganze Genossenschaft verstaatlicht, Joachim Krauß musste die kuriose Situation erleben, dass er nun – mit seinen eigenen Maschinen – Teil eines volkseigenen Betriebes war. 1991, die DDR und ihre Produktionsmethoden waren Geschichte, fanden sich kaum noch Aufträge für die traditionsreiche vogtländische Textilindustrie, Joachim Krauß musste seine Maschinen verschrotten. Ein Jahr wurde er als Gruppenleiter bei einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in der Waldpflege eingesetzt, dann kam die Überleitung in den Rentenbezug. Da wurde das Schnitzen, einst begonnen, da er als Junge beim Bauern die Kühe hütete, ab 1981 als Schnitzergruppe im Rahmen des Kulturbundes betrieben, zum aktiven Teil seines Ruhestandes. Noch immer finden sich drei ehemalige Mitstreiter zusammen, um die Schnitzkunst am Leben zu halten, Schnitzereien für den Europäischen Bauernmarkt Plauen, die Weihnachtsmärkte in der Region zu fertigen, ihr Handwerk beim Schauschnitzen zu demonstrieren. Seit 1954 war Joachim Krauß ebenso dem Weidwerk verbunden, bis seine Nichtmitgliedschaft in der staatstragenden Partei ihm dies verwehrte. Nur kurz fand er nach der Wende Gelegenheit, wieder als Jäger aktiv zu sein. Im Anglerverband war er über Jahre stellvertretender Vorsitzender, beim Schießen im Rahmen der Gesellschaft für Sport und Technik Mitglied der Bezirksauswahl, beim Modellflugsport agierte er als Modellbauleiter und Kampfrichter, nur beim Singen im Chor waren Mund und Kehle mehr als die Hände gefragt. Seine Frau Dorothea, Heirat 1958, half als Ausnäherin und Spulerin in der Familienweberei, konnte einst eine schwere Erkrankung bewältigen. Vier Kinder wurden dem Paar geboren, heute gehören sieben Enkel und vier Urenkel zur Familie.
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