MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Günther Bellmann

„Verschwendete Zeit ist Dasein. Gebrauchte Zeit ist Leben.“ (Edward Young)

Günther Bellmann

Ing. für BMSR-Technik
Teilkonstrukteurin
Münzbachtal 124
09603 Großschirma

Hannelore Bellmann (geb. Bernhardt) blickt auf eine schöne Kindheit zurück. 1953 wurde die Tochter einer Verkäuferin und eines Bergmanns geboren. Sie berichtet, bescheiden aber sehr familiär aufgewachsen und davon für das Leben geprägt worden zu sein. Da beide Eltern arbeiten gingen und die Oma seit der Flucht aus Schlesien krank und hilfebedürftig war, verbrachte die junge Hannelore viel Zeit bei ihr. „Wir haben noch kreativ gespielt.... oft auf dem riesigen Hof mit großem Wäscheplatz.... haben aus Decken Zelte gebaut...gekreiselt...uns mit Puppenwagen und Puppenstube beschäftigt....meist gemeinsam mit anderen Kindern...“, erzählt sie aus ihrer Kindheit und davon, dass bereits in frühem Alter ihr Berufswunsch entstand. Fasziniert vom Unterrichtsfach Technisches Zeichnen während der Schulzeit 1960–1970 entschloss sie sich zu einer Lehre zum Maschinenbauzeichner im VEB Präzisionsmechanik Freiberg. Der erlangte Facharbeiterabschluss genügte ihr nicht. Auf der Abendschule qualifizierte sie sich zum Teilkonstrukteur, war später auch mit der Lehrausbildung beschäftigt. Sie fühlte sich wohl in ihrer Abteilung. Die Arbeit gefiel ihr, die Kollegen waren nett, der Umgang miteinander respektvoll. Ein Kollege beeindruckte sie besonders: Günther Bellmann, der Mann den sie 1976 heiratete. An die erste gemeinsame Wohnung erinnern sich beide heute noch nachhaltig. Sie war mehr eine Herausforderung als wohnliche Stätte. Doch wichtig war erst einmal gemeinsam zu wohnen und mit Sohn Ralf (geb. 1979, Elektrotechniker) ein Familienleben begründen zu können. Nach Babypause kehrte Hannelore Bellmann in den Betrieb zurück, blieb hier bis 1985 tätig. Dann folgte sie ihrem Mann zu einem Auslandeinsatz nach Brasilien. Eine traumhafte Zeit, wie sie sagt. Immer Sommer, der Sohn lernte von klein auf Portugiesisch, die Kultur des Landes begeisterte. Über den Außenhandel der DDR beschäftigt mit Sachbearbeiter-Tätigkeiten, konnte sie in der organisierten Freizeit Land und Leute gut kennenlernen. 1989 kehrten die Bellmanns in die DDR zurück – mitten hinein in die chaotische Wende-Zeit. Wiederbeschäftigt im ehemaligen Betrieb, wurde sie 1993 gekündigt. 1995 erlangte sie auf einem Lehrgang den Abschluss als Bauzeichner um dadurch bessere Beschäftigungsmöglichkeiten zu haben. Arbeitslosenzeit endete mit Branchenwechsel und Arbeitsaufnahme als Einkaufs- und Vertriebsleiter in einer Kühlerfabrik (1996–2005). Einem Computerlehrgang 2006 folgte 2007 die Einstellung in einer Baumesstechnik-Firma, in der sie heute noch zeitweise beschäftigt ist – trotz eigentlichem Rentenstand. Günther Bellmann freut sich gemeinsam mit seiner Frau mehr Zeit verbringen zu können. Er wurde 1947 als Sohn einer Küchenkraft und eines Bergmanns geboren. Auch er erinnert sich an schwierige Zeiten für seine Eltern und berichtet von Wohnverhältnissen, die im Winter einen Eimer Wasser im Wohnzimmer einfrieren ließen ¬– gerade wenn er das 1993 gekaufte und liebevoll umgebaute eigenen Haus betrachtet. Nach dem Abschluss der 10. Klasse lernte er den Beruf Feinmechaniker im VEB Präzisionsmechanik. In der Abteilung Teilefertigung tätig, wurde er 1968 vom Betrieb zum Ingenieurstudium delegiert. 1971 kehrte der junge Ingenieur für BMSR-Technik in den Delegierungsbetrieb zurück, arbeitete ein Jahr in der Konstruktionsabteilung, später im Elektroniklabor der Abteilung Forschung und Entwicklung. 1972 wechselte er in den Kundendienst der ihn bis 1985 DDR-weit und im sozialistischen Ausland tätig werden ließ und ihn schließlich nach Brasilien führte. Zurückgekehrt war ein Aus für die Arbeit im Kundendienst abzusehen und so nahm Günther Bellmann seine Geschicke selbst in die Hände und wechselte in eine Fußbodenbeschichtungsfirma. 1995 war auch hier das Ende absehbar und er nahm deshalb die Arbeit bei einer Nürnberger Montagefirma auf, die in der Weiterführung der Tätigkeit, aber mit anderer Firmenzugehörigkeit mündete. Die Arbeit war sowohl fachlich anspruchsvoll als auch menschlich und sozial gut begleitet, erzählt Günther Bellmann. Im Jahr 2010 trat er in den Ruhestand. Haus und Garten bieten heute Beschäftigung. Fast ein ganzes Leben durch die Berufstätigkeit getrennt gewesen, genießen es die Bellmanns heute alles möglichst gemeinsam zu tun. „Wir sind stolz, dass wir und wie wir alles gepackt haben....“ sagt Günther Bellmann und beide fassen die Wendezeit zusammen wie folgt: „In der DDR wurde man an die Hand genommen wenn etwas war. Nach der Wende wurde man ins Wasser geschmissen und sollte schwimmen. Und wir sind geschwommen!“
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