MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Marlies Bellin
„Glück ist alles, was die Seele durcheinanderrüttelt.“ (Arthur Schnitzler)
Max-Liebermann-Str. 12
004157 Leipzig
Fon: 0341 / 9097580
Dem Mädchen Marlies, 1943 im kleinen Örtchen Cröbern geboren, half der Umzug der Familie in die Stadt und dort mögliche Besuch der Erweiterten Oberschule, sich für die berufliche Zukunft zu orientieren. Sie hatte nie so recht gewusst, was sie werden wollte und fand letztendlich im Rahmen der Schulausbildung Facharbeiter mit Abitur zum Beruf Technische Zeichnerin (1962), der ihr nicht nur Freude machen sollte, sondern auch die Möglichkeit zur Weiterentwicklung bot. Nach einem Jahr praktischer Arbeit im Drehmaschinenwerk, erhielt sie über die Betriebsakademie eine Delegierung zum Studium an die Ingenieurschule Karl-Marx-Stadt für Werkzeugmaschinenbau (1963–1966), erlangte den Abschluss als Ingenieur für Konstruktion von Werkzeugmaschinen. Zurück im VEB Drehmaschinenwerk Leipzig, blieb sie hier bis 1973 tätig. Doch private Veränderungen erforderten schließlich auch berufliche. Wenngleich sie mit der Wahl ihrer Lebenspartner nicht viel Glück hatte, die Geburt der Zwillinge Holger und Axel 1971, waren ein freudiges Ereignis. Allerdings war dieses auch mit Herausforderungen verbunden für die Betreuung und Erziehung, die nicht immer mit den vorhandenen Möglichkeiten und Angeboten staatlicher Hilfe zusammenpassten. Ihre Eltern, besonders die Mutter unterstützte sehr, damit das nötige Zeitmanagement funktionierte und trotzdem musste Marlies Bellin schließlich erkennen, Beruf und Mutterschaft so nicht länger vereinbaren zu können. Sie wechselte zum VEB Schreibgeräte Garant, blieb hier bis zur Kündigung. Mit der Wende erlebte sie, wie die Menschen nur noch westliche Waren wollten und die vorgegebene „Hilfe und Unterstützung“ im Betrieb zum Erlangen der Marktfähigkeit in der Übernahme der Kunden und dem Beseitigen eines möglichen Konkurrenten endete. „Dann kamen sie zum Schluss und haben alles besenrein und dicht gemacht, wie auch die anderen bekannten DDR-Marken („Heiko“, „Markant“). Mit einem mal hieß es, es rechne sich nicht mehr, wurde der Abbau der Produktionsstraßen und die Kündigung der Beschäftigten vorgenommen“, erzählt sie heute. In vorübergehenden Kurzbeschäftigungen wurde ihr vermittelt, dass sie als Ex-DDR-Bürgerin weder viel könne, noch viel wisse, man ihr alles nun beibringen müsse. Die Vermittler waren allerdings teilweise Menschen, die selbst zuvor wenig Erfolge in den alten Bundesländern vorzuweisen hatten und nun die Chance sahen, sich neu zu etablieren. Das widerstrebte ihr, die selbst auf Bescheidenheit und Ehrlichkeit großen Wert legt und sich über Ungerechtigkeiten ärgert. Da war es Glück, dass durch Vermittlung einer Freundin eine Tätigkeit bei der Kriminalpolizei in der Sachfahndung möglich wurde (1993–2007). Sie ist zufrieden mit dem Verlauf ihres Lebens, freut sich, dass die Kinder ihre berufliche und private Orientierung gefunden haben und ihr zudem zwei Enkel schenkten. Marlies Bellin genießt ihr Singleleben, unternimmt viel mit ihrer Freundin und alleine, liest und beschäftigt sich mit Handarbeiten. Wenn nun die Gesundheit beständig bleibt, ist alles gut. Gerne hätte sie eine poetische Ader, um Ihr Leben aufzuschreiben, deshalb ist es schön, das Wesentliche daraus hier festgehalten zu haben.