MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa und Siegfried Beilschmidt
„Das Ideal ist die Wahrheit aus der Entfernung“ (Alphonse de Lamartine)
Reinickestr. 16
06846 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 2202080
Es gab nie einen anderen Wunsch, als in die Medizin zu gehen, erzählt die 1945 geborene Christa Beilschmidt.
Die Tracht der im Haus wohnenden Krankenschwester hatte sie als kleines Mädchen fasziniert. 1952–1964 besuchte sie die Schule, legte das Abitur ab und
bewarb sich zum Medizinstudium in Leipzig. Die damals geltende Praxis, sich erst ein Jahr in der Produktion bewähren zu müssen, wollte sie nicht akzeptieren. So entscheid sie, ihren zweiten Berufswunsch zu realisieren, Hebamme zu werden. Doch auch daran waren Bedingungen geknüpft, eine Krankenschwesternausbildung als Grundlage gefordert. Die absolvierte sie im Städtischen Klinikum Merseburg und blieb im Anschluss als stellvertretende Stationsschwester auf der Entbindungsstation. Nebenher durchlief sie eine Qualifikation zu Stationsschwester, wurde mit der Lehrlingsausbildung beauftragt. Durch Heirat, Geburt des Sohnes Roland 1970 und Möglichkeit des Wohnens bei ihrer Mutter, kehrte sie 1971 nach Dessau zurück. Als stellvertretende Stationsschwester, Stationsschwester und stellvertretende Oberschwester verrichtete sie ihre Arbeit auf verschiedenen Stationen des Dessauer Klinikums, bevor sie ab 1987 innerhalb einer Herz-Kreiskauf-Dispensaiere-Fachambulanz (HKD) aktiv wurde. Die Wende erlebte sie mit großen Einschnitten. Selbst schwer erkrankt, konnte sie ihre Tätigkeit nach der Genesung nur kurze Zeit fortsetzen, weil die HKD aufgelöst wurde. An der Seite ihrer ehemaligen Stationsärztin fand sie als Sprechstundenschwester neue Herausforderung in der Dialyse-Patienten-Betreuung, bis sie 2008 in die Rente ging. Sie erinnert sich an die Zeit der Wende sehr gut. Daran, wie sich auf den Stationen die Reihen der Ärzte leerten, weil viele sofort in den Westen gingen. An die Überprüfungen auf Stasi-Tätigkeit, ihren „Persilschein“ und doch auch den Verlust von einstigen Idealen. Als Genossin hatte sie sich engagiert, versuchte in der Stadtverordnetenversammlung, als BGL-Mitglied und im DFD-Kreisvorstand mitzugestalten und musste letztendlich doch feststellen, dass sie Entwicklungen nicht länger mit tragen konnte. Enttäuscht war Christa Beilschmidt aber vor allem von den Kehrtwendungen mancher Menschen, die charakterlich nicht nachvollziehbar waren und sie deshalb befremdeten.
Ihren Mann Siegfried, der 1942 in Schlesien geboren wurde, lernte sie über eine Zeitungsanzeige kennen. Seit 1988 sind die beiden indessen verheiratet. Der gelernte Ofensetzer hatte nach seiner Lehre die DDR verlassen, wollte seine Neugier befriedigen, sehen wie es im Westen ist. Nach nur drei Monaten kehrte er zurück, landete im Auffanglager Eisenach, musste seinen Ausweis abgeben, durfte den Bezirk Halle nicht verlassen und unterlag anderen Kotrollmaßnahmen, bis 1961 sie Mauer gebaut wurde. Dann normalisierte sich sein Leben. Zurück im Lehrbetrieb, endete ein späterer Arbeitsplatzwechsel nach 1 ½ Jahren vor dem Arbeitsgericht – für Siegfried Beilschmidt Anlass, sich neu zu orientieren. Im Kreisbaubetrieb des Saalkreises arbeitete er als angelernter Fliesenleger, später beim VEB Ratiobau Halle. Durch Montagetätigkeit kam er 1982 nach Dessau, wo er wegen einer Beziehung ansässig wurde. Doch wie die erste Ehe, aus der fünf Kinder hervorgingen, scheiterte auch diese und wirkliches Glück fand er erst mit seiner heutigen Frau. Seine handwerkliche Berufstätigkeit musste er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, brachte sein Geschick als Hausmeister im Dessauer Theater ein, bis er mit 65 Jahren im Jahr 2007 die Rente ging. Heute lebt er seine Sportbegeisterung auf dem Sportplatz und vor dem Fernseher aus, währen Ehefrau Christa als Autodidakt dem Computer seine Geheimnisse entlockt, soziale Kontakte pflegt, Keyboard spielt und einem kleinen Jungen als Ersatzoma Zuwendung schenkt.