MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Manfred Beier
Ein Leben voller Glück und Leid
Karl-Liebknecht-Str. 3
01833 Stolpen
Fon: 035973 / 25843
Manfred Beier sitzt allein in seiner Wohnung im sächsischen Stolpen. Das Schicksal meinte es in den letzten Jahren nicht gut mit ihm. Ehefrau Ingeburg verstarb 2009 plötzlich und unerwartet. Wegen eines Rückenleidens kann Manfred Beier nur noch mit Unterarmstützen gehen. Er denkt zurück an sein Leben, an glückliche und traurige Zeiten.
Beide wurden 1933 in Lauterbach bei Stolpen / Sa., gelegen zwischen Bischofswerda und Neustadt in Sachsen, geboren. Ihre Väter gehörten zu den ersten, die 1939 zum Militärdienst eingezogen wurden und für „Führer, Volk und Vaterland“ kämpfen sollten. Inges Vater kehrte nicht mehr heim. In beiden Familien mussten die Großmütter, Mütter und Kinder die Felder bestellen und die Tiere versorgen. Manfred Beier wollte gern ein Musikinstrument spielen, doch dafür reichte das Geld nicht. Stattdessen machte er Musik in einer Schalmaienkapelle und spielte im Dorftheater mit. Um Elektroinstallateur zu lernen, fuhr er nach Pirna in die Schule. Weil sein Lehrbetrieb in Langenwohnsdorf Ende 1950 dicht machte, hatte er mehrere Arbeitsstellen, war auch im Landmaschinenbetrieb „Fortschritt“ in Neustadt tätig.
„1953 trat ich in die neu gegründete Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Lauterbach ein. Dort wurde mir versprochen, dass ich die Meisterprüfung ablegen könnte. Stattdessen arbeitete ich als ungelernte Hilfskraft mit. Der Vorteil war, dass meine Freundin Inge und ich bei einem Bauern eine Wohnung mit zwei Räumen bekamen. Als Gegenleistung übernahmen wir die Arbeit unten im Kuhstall. Da die Kühe wenig Milch gaben, konnte sie Inge zunächst allein melken. Um noch etwas Geld zu verdienen, arbeitete ich auf den Feldern der LPG mit, Maschinen gab es kaum. Außerdem legten wir uns einen kleinen Garten zu, in dem wir Gemüse und Blumen anbauten. Dass alles gut wuchs und gedieh, war Inges Verdienst. Ich kümmerte mich um die Kaninchen, war im Sportverein und bastelte gern. Inge und ich haben auch oft abends gemeinsam gesungen“, erzählt Manfred Beier. 1955 heirateten sie. Ein Jahr danach kam Veronika, die heute in einer Wäscherei tätig ist, zur Welt, 1959 Harald, der Computerfachmann in einem Krankenhaus ist. „Weil sich die Verhältnisse in der LPG immer mehr verschlechterten, traten wir aus, verloren dadurch unsere Unterkunft. 1958 bezogen wir in Stolpen eine neue Wohnung der Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG)“, sagt Manfred Beier. Er fand Arbeit bei einem Elektromeister, arbeitete später als Betriebselektriker und konnte endlich die Meisterprüfung ablegen, allerdings auf eigene Kosten.
Inge Beier war ab 1963 in einer LPG mit dem Tabakanbau beschäftigt, später in einem Knopf- und Metallwarenwerk tätig. 1990 ging sie in den Vorruhestand.
Ehemann Manfred machte sich 1964 selbstständig. „Wegen vieler Versprechungen trat ich danach in die Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Bau und Ausbau ein. 1988 wurde ich dort nicht mehr gebraucht und fing in der Berufsschule eines Volkseigenen Gutes (VEG) als Hausmeister an. 1991 wurde ich Vorruheständler“, berichtet Manfred Beier. Jetzt ist er in einem Geschichtsverein aktiv.
All das und noch viel mehr schrieb Manfred Beier auch auf. Nicht nur für die beiden Kinder, fünf Enkel und vier Urenkel…