MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Erika und Karl-Heinz Beier

Die studierte Bauerntochter und der Handwerker

Erika und Karl-Heinz Beier

Grenzstr. 12
06886 Wittenberg
Fon: 03491 / 662706

Das Mädchen Erika, 1953 als Kind einer Bauernfamilie geboren, hatte klare Vorstellungen vom künftigen Leben. Lehrerin wollte sie werden. Nach Abschluss der 10. Klasse 1969 legte sie am Pädagogischen Institut Köthen innerhalb eines Jahres ein „Schnellabitur“ (1969–1970) ab, blieb im Anschluss daran dort zum Studium (1970–1974), erlangte mit diesem den Abschluss Diplom-Lehrer für Mathematik und Chemie. Die Absolventenlenkung sah einen Einsatz in Aue vor. Keine gute Entscheidung für die junge Frau, hatte sie doch gerade ihren Mann Karl-Heinz kennen gelernt, der wiederum dort keine Arbeit fand. Mit dem Anliegen den Einsatzort zu ändern entfiel der Anspruch auf Wohnraumvermittlung. Keine leichte Entscheidung für das junge Paar. An der POS „Willy Lohmann“ in Apollensdorf begann sie ihre pädagogische Laufbahn als Lehrerin für Mathematik und Chemie, erlebte hier die politische Wende in der DDR. Ein Jahr war sie als stellvertretender Schulleiter eingesetzt. Doch auf Grund rückläufiger Schülerzahlen wurde die Schule zur Grundschule, die Sekundarstufen wechselten zur Sekundarschule Reinsdorf und sie mit ihnen in diese Schule als Lehrerin ihrer Fachrichtungen. In ihrer gesamten Lehrerzeit trieb sie stets ein Herzenswunsch an: Die Kinder zu begeistern, sie emotional zu erreichen, denn sie stellte fest, dass dann die Leistungsbereitschaft groß war. Sie brachte sich entsprechend ein, schrieb an Schulbüchern und dem Lehrplan mit, war 2003–2013 Fachmoderator für Mathematik im Landkreis Wittenberg. Die eine Hälfte ihrer Berufszeit lehrte sie in der DDR, die andere in den neuen Bundesländern. Sie musste dabei feststellen, dass die Anerkennung der Lehrer in den Augen der Eltern sank, es mehr Auseinandersetzungen mit ihnen gab, statt Unterstützung vom Elternhaus im Interesse der Entwicklung der Kinder. Karl-Heinz Beier (geb. 1951) verwirklichte auch seinen Berufswunsch. Er wurde nach der 10. Klasse Elektromaschinenbauer. Diesen Beruf übte er in drei verschiedenen Firmierungen aus: Im Privathandwerk, einer PGH, einem VEB. Er lernte dabei den gravierenden Unterschied in der Produktivität kennen, arbeitete als Betriebselektriker in der Motoreninstandsetzung und -wartung – mit den geringen Mitteln, die damals zur Verfügung standen. Als 1990 der – durch die Wende bedingte – Stellenabbau einsetzte, war ihm die fehlende Perspektive schnell klar. Er schloss 1991 einen Aufhebungsvertrag, weil er eine Stelle als Fußbodenleger in Aussicht hatte. Schwere Arbeit, neues Metier, aber erlernbar, mit besserem Verdienst und zukunftsträchtiger. Doch als sich der anfänglich unbegrenzt scheinende Markt beruhigte, wurde er 1998 entlassen und wechselte in die Firma „Flair – Fußboden und Innendekoration“. Erneute Kündigung nach drei Jahren führten ein Jahr in die Arbeitslosigkeit, in mehrere Minijobs und ab 2001 in die „Teppichwelt“ Wittenberg, ab 2012 in die „Teppichwelt“ Brandenburg. Die Arbeit macht ihm Spaß, doch befragt man ihn zu den Ergebnissen der Wende, sagt er, dass die nervliche Ruhe seither fehlt. Die Gedanken um den Arbeitsplatz sind immer gegenwärtig. Die Aufbruchstimmung der Wende mit all ihren Illusionen ist der Realität gewichen. Das Menschliche ist weggefallen, bemerken die Beiers traurig. Erika Beier erinnert, dass sie als Bauernkind in der DDR studieren konnte und sie sich ein schönes Eigenheim bauen konnten. Die Politik weiß heute ihrer Ansicht nach nicht, was an der Basis los ist. Doch ihre Familie hat glücklicherweise ihr Auskommen. Tochter Daniela (geb. 1977) arbeitet als Altenpflegerin, die beiden Enkel werden ihren Weg gehen.
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