MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingeborg Behla
Eine „Minol-erin“
Lerchenstr. 41 f 03048 Cottbus
Ingeborg, 1925 in Weißwasser geboren, erlebte noch die Zeit, als Mutter Hausfrau und der Vater beim Grafen Arnim in Stellung war. Acht Klassen lernte sie, war zu Hause die, die auf die Geschwister aufpassen musste. So nutzte sie die Gelegenheit, ging nach der Schule gleich ins Landjahr und damit früh von zu Hause fort. Eigentlich eine gute Grundlage für den Berufswunsch Geflügelzüchterin. Geworden ist sie es trotzdem nicht, nahm eine Arbeit im Glaswerk auf, war für Einkauf und Nachweisführung zuständig. Die Grundlage dafür war eine Berufsausbildung während der Kriegsjahre. Eine Zeit, in die auch ihre Hochzeit fiel. 1947 heiratete sie den Maler Manfred, der später seinen Wunsch realisierte und Polizist wurde. Vier Kindern hat sie nach dem Krieg das Leben geschenkt, über acht Enkel und vier Urenkel kann sie sich daher heute freuen. Sie geben ihrem Leben heute auch Farbe, denn ihr Mann verstarb im Jahr 2001.
Beruflich ging es stetig voran: Als Buchhalterin im Chemiehandel und bei Minol, und ab 1978 mit der Übernahme einer Tankstelle. Eine mutige Entscheidung! Manchmal war es schwierig, sich in diesem Männerberuf zu behaupten, aber ihr „bester Chef“, Wilhelm Scholz, von dem sie die Tankstelle übernommen hat, gab ihr Anleitung und Unterstützung. „Es war damals ein eingeschworenes Team“, erzählt sie und davon, wie wichtig das war, konnte man doch nur so bestehen. Es ging nicht einfach mal ein Ersatzteil zu bestellen, eine Reparatur kurzfristig durchzuführen. Im Mangel lag die Herausforderung, trotzdem etwas zu bewirken! Mit dem Heute nicht zu vergleichen, findet sie. Oft diskutieren sie das, wenn die „alten Minoler“ mal wieder beim Stammtisch Erinnerungen austauschen – jedes Jahr im Mai.
1990 brachte nicht nur die politische Wende in der DDR, sondern auch die Wende in Ihrem beruflichen Leben. Sie war 65 und hatte nicht mehr die Voraussetzungen, um lange vertragliche Verpflichtungen einzugehen und so ging sie in Rente. Reisen und die Zeltplatz-Besuche bestimmten nun die freie Zeit mit ihrem Mann. Heute noch fährt sie jährlich mit ihrem Sohn ein paar Tage durch die nahe Gegend, schaut sich Sehenswürdigkeiten an.
Sie hat viel gearbeitet in ihrem Leben, sie hat gut gearbeitet. Ein „Banner der Arbeit“, ein Bezugsschein für ein Auto Marke „Wartburg“ und einen Prämie von 5000 DDR-Mark waren Ausdruck dessen. Sie hat sich einen schönen Lebensabend mit Ihrer Familie und ihren lieben Katzen verdient.