MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Manfred und Ilona Kramer
Ja, die Zeiten ändern sich...
Spargelweg 22
06116 Halle / Saale
Fon: 0345 / 2030707
...denn als der 1937 geborene Manfred Kramer nach der 8. Klasse seinen Wunsch die Oberschule zu besuchen, realisieren wollte, war der Bergmannslohn des Vaters mit über 350 Mark zu hoch um Schulgeld-Anspruch zu haben. Man konnte von einem solchen Betrag leben, doch ein verlängerte Ausbildungszeit für den Sohn zu finanzieren, dafür reichte es nicht. So verließ der Junge die Schule, absolvierte eine Lehre zum Elektriker – denn Bergmann wollte er auf keinen Fall werden. Nach drei Jahren sehr guter Ausbildung arbeitete er erst im Lehrbetrieb, danach in einer privaten Firma, anschließend als Grubenelektriker im Kali-Werk und später im Starkstromanlagenbau. Zwischenzeitlich (1957–1958) erreichte er an der Abendschule in Halle den Abschluss der 10.Klasse. Auf Montage fühlte er sich wohl, „die Welt sehen“ wollte er – ausschließlich das Inland sah er. Der Meisterausbildung (1963–1966) ging der Eintritt in die Kampfgruppe voraus.
Im Laufe der vielen Jahre sowie nach der deutschen Einheit bleib der unglaubliche Zusammenhalt vieler Kampfgruppenmitglieder bestehen. Bis heute treffen sie sich und jährlich werden dafür gemeinsame Veranstaltungen organisiert. Unmittelbar nach der Meisterausbildung nutze er die sich bietende Chance eines Fernstudiums an der Bergbauschule zum Ingenieur (1966–1971). Parallel zum beruflichen Einsatz in der Projektierung (Starkstromtechnische Anlagen), die ihn auch als NSW-Reisekader nach Cuba führten, unterrichtete er indessen selbst an der Fachschule Eisleben (Außenstelle Halle) Mathematik und Mathematische Methoden in Meister- und Ingenieurökonom-Klassen. Viel Engagement, wenig private Zeit. Da war es äußerst praktisch, sich auch während der nebenberuflichen Tätigkeit zu verlieben, die Frau für den gemeinsamen Lebensweg zu finden. Ilona heißt sie und ist 1950 geboren, hatte sich nach dem Schulabschluss wegen der häuslichen Gegebenheiten (kinderreiche Familie mit wenig finanziellen Mitteln) von dem Traum Maschinenbauzeichnerin zu werden verabschieden müssen. Nicht wissend, dass damit ihre Weichen für das private Leben gestellt waren, wurde sie Stenotypistin, arbeitete als Direktionssekretärin und begann 1974 ein Frauensonderstudium (1974–1979) zum Ingenieurökonom – mit Manfred Kramer als Mathematiklehrer. Der erlebte als Gruppenleiter seines Bereiches die Wende, die Übernahme von Siemens und die „Sortierung“ nach Alter und Ausbildung. Übernommen, wechselte er in die Montage, konnte hier von der Projektierung bis zur Ausführung die Projekte begleiten, was ihn mehr erfüllte. Ilona Kramer, sprachlich mit einem zweijährigem Spanischkurs geschult, zu DDR-Zeiten als Reisekader bestätigt, fachlich versiert und ohne Angst vor Arbeitslosigkeit, nahm ihre Kündigung zwei Tage vor Weihnachten 1990 noch sehr unbekümmert hin. Der Weg in eine neue Tätigkeit führte über das Arbeitsamt, eine Unterschrift, nicht als IM tätig gewesen zu sein und die erwartete Bereitschaft sofort den Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Sonntagabends bis Freitag am Mittag ging es fortan nach Hannover zur Landesversicherungsanstalt zur Ausbildung, später erfolgte weitere Aufbauhilfe und Berufsbegleitung vor Ort. Ilona Kramer hatte es geschafft neu Fuß zu fassen, blieb bis zu ihrem 60. Lebensjahr und den Eintritt in die Rente bei der Rentenversicherung beschäftigt. Manfred Kramer begrüßte, dass seine Frau nun mit ihm gemeinsam den Ruhestand genießen konnte. Beschäftigung gab es genug im 2002 gebauten Haus und Garten, dem damals noch vorhandenen Wochenendhaus, der Literatur und dem PC. Ehepaar Kramer hat zwei Kinder (Thomas und Judith) und zwei Enkel und sie wünschen sich vor allem noch lange gesund am Leben teilhaben zu können.