MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karl-Heinz Kraus
Der Maschinist auf dem Absetzer AS 1025 / 1120 / 1958
Friedrich-Engels-Str. 41
06772 Gräfenhainichen OT Zschornewitz
Dass der 1944 im Sudetenland geborene Karl-Heinz Kraus in der ehemaligen DDR aufwuchs hatte nur einen Grund: Der Flüchtlingszug, in dem seine Familie saß, endete hier. So besuchte er hier 1950–1958 acht Jahre die Schule, lernte dann Bergbaumaschinist bis 1961. Im Tagebau Muldenstein arbeitete er im Anschluss in drei Schichten bis 1965. Als Maschinist auf einem Tagesbaugroßgerät – dem Absetzer – war er für die Verschüttung der Abraummassen, an die Stellen, wo keine Kohle mehr zu fördern war, zuständig. Dann wurde er zur Ableistung seines Grundwehrdienstes einberufen, leistete diesen 1 ½ Jahre an der innerdeutschen Grenze. Diesen Einsatzort führt er heute darauf zurück, dass er ¼ Jahr zuvor seine Frau Lieselotte (verstorben 2010) geheiratet hatte. Man ging wohl davon aus, dass ein junger Ehemann und Vater der 1954 geborenen Tochter Bettina nicht versuchen würde die Nähe zur Grenze für einen unerlaubten Übertritt in die angrenzende BRD zu nutzen.
Nach der Dienstzeit zurück im Braunkohlenkombinat Bitterfeld, wollte er keinen Schichtbetrieb mehr ausüben. Auf einer Gleisbaumaschine verrichtete er nun seine Arbeit bis 1992 die Kohleproduktion zurückgefahren wurde. Er wurde entlassen, war zwei Monate arbeitslos, bevor er eine ABM bekam und parallel das Angebot als Kraftfahrer in einem Fuhrunternehmen zu beginnen. Nachdem ein viertel Jahr die Bezahlung ausgeblieben war, nahm er eine Tätigkeit in der Agrargenossenschaft auf. Indessen hatte das Braunkohlenwerk seine Maschinen verkauft, doch stellte der Erwerber schnell fest, diese ohne geschultes Personal nicht betreiben zu können. So trat man an Karl-Heinz Kraus und die beiden anderen Kollegen der ehemaligen Maschinen-Besatzung heran, bot ihnen sozusagen ihre „alte“ Tätigkeit wieder an. 10 Jahre konnte Karl-Heinz Kraus wieder im Beruf arbeiten (1994–2004) bevor neue Arbeitslosigkeit bis zur Rente 2007 eintrat.
Seinen sportlichen Ausgleich zum Beruf fand er beim Angeln und Motorradrennen, Aktivitäten, die er auch heute noch ausübt, wenn er seine freie Zeit nicht gerade mit seiner Partnerin verbringt. Ab und an trifft er sich auch noch mit Kollegen aus der „alten Zeit“, wenngleich der Zusammenhalt nicht mehr so ist, wie zu DDR-Zeiten. Er ist im Großen und Ganzen zufrieden mit seinem Leben, findet, dass Nörgler auch bereit sein müssen zu tun, damit es ihnen besser geht.