MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dr. phil. Hans Kraemer
Alte Griechen in sechs Sprachen
Käsenbachstraße 31
72076 Tübingen
Fon: 07071 / 52261
Als Student kam er einst nach Tübingen, heute kann er sich nicht mehr vorstellen, die Stadt freiwillig zu verlassen, schätzt sie ungemein. Die Ausbildung beendete Hans Kraemer 1963 mit der Habilitation. Er gilt als Begründer der Tübinger Schule in der Platonforschung. Die Nachfolgebände seiner Bücher sind bis heute unverzichtbarer Lehrstoff und Grundlage der Platonforschung in Tübingen. „Arete bei Platon und Aristoteles“ zum Beispiel ist in mittlerweile sechs Sprachen erschienen. Hans Kraemer als Philologe wurde 1970 von den Philosophen kooptiert, später aber als Vollmitglied in das Philosophische Seminar aufgenommen (und umgekehrt bei den Philologen kooptiert). Die Lehrtätigkeit, so sehr sie ihn begeisterte, kostete aber auch immens viel Kraft. Immer wieder stellte er neue eigene Thesen zur wissenschaftlichen Diskussion, betrat Neuland auf alten Wissensgebieten. Mit seinem neuen Bild vom großen Platon kämpfte er häufig genug gegen die etablierte herrschende Lehre an. Er wagte es immer wieder, etwas Neues zum Thema Platon zu vertreten. Seine „Integrative Ethik“ erschien 1992 bei Suhrkamp und schlug hohe Wellen. Später griff er die Erkenntnistheorie auf und die überkommenen Lehrmeinungen zu dem Thema an. Sukzessive, Schritt für Schritt wuchs und wachsen die wissenschaftliche Anerkennung und die Akzeptanz seiner Ansätze. Die stehen zwar einigen etablierten und teilweise auch von sehr populären Vertretern verfochtenen Lehrmeinungen diametral gegenüber, überzeugen aber zunehmend auch Fachkollegen. Ein großes Ziel verfolgt der Emeritus noch in seinem wissenschaftlichen Leben. Er will alle Aufsätze über Platon herausgeben und so einer breiteren Schar Interessierter erschließen. Ehrenämter lehnt Hans Kraemer grundsätzlich ab, will sich nicht für die Ideen von Organisationen vereinnahmen lassen. Zwei Ausnahmen ging er ein, gehörte sowohl dem Fakultätsrat wie auch dem Professorenzirkel „der Runde“ an. Letzteres erreichte er 1971 als jüngster an der altehrwürdigen Universität zu Tübingen. Sein Leben lang widmete er seine Kraft der Forschung. Freizeitaktivitäten versagte er sich ebenso wie eine Familie, lebte tatsächlich platonisch.