MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga Kortmann
Lieber etwas weniger Geld, aber dafür gesund und gerade
Serviererin
Berufskraftfahrer
Waldheimer Str. 35
01683 Nossen
Herta Kortmann denkt mit wenig Freude an ihre Kindheit zurück. Die im Jahr 1936 Geborene erlebt zum Ende des Krieges täglich den Fliegeralarm, die Familie muss oft nächtelang im Luftschutzbunker ausharren, diese Erlebnisse werden zum Trauma, dass bis heute in ihren Nachtträumen immer wieder kehrt. Sie arbeitet in dieser Zeit bei den Bauern auf dem Feld, die Kinder klauen Möhren von deren Feldern und Kirschen von deren Bäumen, um ihren Hunger zu stillen. Der Vater arbeitet in der örtlichen Kerzenfabrik und wird direkt vom Bahnhof zum Volkssturm eingezogen. Die Ehe der Eltern wird später geschieden, die Mutter, eine Hausfrau, ist hart und streng zu ihrer Tochter und schlägt sie oft. Diese findet bei der Großmutter das, was ihr die Mutter nicht geben kann, Trost und Liebe. Die Großeltern sind ihr bis heute in vieler Hinsicht ein Vorbild geblieben. Später arbeitet Herta Kortmann als Stenotypistin, ihren gesamten Lohn muss sie zu Hause abliefern. Eine Lungenkrankheit kuriert sie im Pferdestall aus.
Im Jahr 1954 ziehen Mutter und Tochter nach Nossen, wo letztere ihren späteren Mann Karl-Heinz, den Sohn eines Rechtsanwalts, kennen lernt. Die jungen Leute heiraten im Mai 1954. Aus dieser Ehe gehen vier Kinder hervor, 1954 die Tochter Gudrun, 1956 der Sohn Bernd, zwei Jahre später die Tochter Evelyn und 1961 der Sohn Uwe. Die Ehe verläuft unglücklich, der Mann entpuppt sich als Alkoholiker, der die Familie schlägt. Gerade deshalb ist Herta Kortmann sehr stolz darauf, dass sie den Kindern trotzdem immer geben konnte, was sie brauchten und sie und sich in schwieriger Zeit über Wasser gehalten zu haben.
Nachdem die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind, arbeitet deren Mutter als Kellnerin und Serviererin. In der Gaststätte „Zum Ross“ in Siebenlehn lernt sie in den sechziger Jahren auch den damaligen Staats- und Parteichef Walter Ulbricht und seine Frau Lotte kennen. Diese gewinnen einen positiven Eindruck von ihr und wollen bei den späteren Besuchen nur noch von ihr bedient werden, so dass sich im Lauf der Zeit ein kameradschaftliches Verhältnis entwickelt. Später wechselt Herta Kortmann in die Gaststätte „Stadt Dresden“, wo sie ihren zweiten Mann Franz Kortmann kennenlernt, der als Kraftfahrer hier regelmäßig zum Zwischenstopp einkehrt. Sie heiraten 1981, die Ehe hält inzwischen schon 35 Jahre.
Herta Kortmann besitzt die Gabe, Menschen schnell für sich zu gewinnen. Vor allem die Gäste aus dem Westen bringen ihr bald Kaffee und Schallplatten mit. Im Jahr 1989 hat sie das Glück, mit 53 Jahren in den Vorruhestand gehen zu können. Seitdem baut sie gern im Garten Obst und Gemüse an oder kocht nach den alten Rezepten der Oma. Gern und spontan unternimmt sie Kurzreisen mit ihrem Mann und will mit ihm bei guter Gesundheit noch älter werden.