MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Kurt Kothe

„Bevor wir begriffen, was passierte, hatten sie uns schon platt gemacht....“

Kurt Kothe

Feldstr. 26
06792 Sandersdorf
Fon: 03493 / 88604

Kurt Kothe wurde 1939 als eins von sieben Kindern seiner Eltern geboren. Das Glück war nicht immer vorhanden im Elternhaus, denn nur vier der geborenen Kinder überlebten. Der Vater wurde im Krieg vermisst und später für tot erklärt. Die allein erziehende Mutter musste nun in schwerster Zeit vier Kinder durchbringen. Trotzdem konnte Kurt Kothe die Oberschule besuchen, 1958 das Abitur an der Arbeiter- und Bauer-Fakultät Halle ablegen. Zur Feinmechanik neigend bei seinen Gedanken zur beruflichen Zukunft, wurde er jedoch zur Chemie gelenkt, weil nicht Wünsche sondern Notwendigkeiten die Ausbildungsangebote begründeten. Nach einem praktischen Jahr im Chemiekombinat Bitterfeld studierte Kurt Kothe deshalb chemische Verfahrenstechnik, mit Ingenieursabschluss 1964. Diese staatliche Umlenkung hatte aber nicht nur beruflich zur anderen Orientierung geführt, sondern auch zum Kennenlernen seiner Frau Christa (Heirat 1960), die als Anlagenfahrerin im gleichen Betrieb arbeitete und sein praktisches Jahr vor dem Studium auch privat bereicherte. Die Töchter Martina (geb. 1960, Krippenerzieherin) und Ilona (geb. 1965, Lehrerin) vervollständigten bald die Familie. Kurt Kothe arbeitete als leitender Schichtingenieur (1964–1970) im Chemiekombinat, Christa Kothe kümmerte sich 11 Jahre zu Hause um die Erziehung der Kinder. Danach arbeitete sie als Verkäuferin in Sandersdorf. Gesundheitlicher Beeinträchtigung durch den Schichtbetrieb begegnete Kurt Kothe mit einem Wechsel in die Standardisierung. Doch nach 10 Jahren sehnte er sich in die Produktion zurück. Er nutzte deshalb das Angebot aus der Forschung, in einer Pilotanlage des Bereiches tätig zu werden, begann hier 1980 und trug für die daraus entstandene Produktionsanlage als Betriebsleiter die Verantwortung. Mit der Wende und der Erschließung der Märkte der neuen Bundesländer durch westdeutsche Firmen wurde das – nun ein Konkurrenzprodukt produzierende – Bitterfelder Unternehmen in einen bis dahin unbekannten Konkurrenzkampf verwickelt, dem es damit völlig unerfahren, selbstverständlich unterliegen musste. Die daraus resultierende Abwicklung des Betriebes führte auch zur Arbeitslosigkeit von Kurt Kothe. In einer anschließenden ABM war er dann damit betraut den ehemals aufgebauten und durch ihn geleiteten Betrieb drei Jahre lang mit abzureißen. Im Anschluss stellte man ihn vor die Wahl mit 60 Jahren in die Rente oder in eine ungewisse berufliche Zukunft zu gehen, die man ihm altergemäß als nicht erquicklich suggerierte. Er nahm das Rentenangebot an und genoss mit seiner Frau die neuen Möglichkeiten der Bewegungsfreiheit und freien Meinungsäußerung. Zu sehr hatten ihn die Erfolgshascherei und Schönfärberei zuvor gestört, die notwendig waren bei der Abrechnung von Aufgaben und Zielvorgaben. Leider haben sich die Menschen seither auch sehr abgegrenzt, den Gemeinschaftssinn verloren. Doch die Familie hält zusammen und mit dem Hobby Fotografie wird das für die Nachwelt dokumentiert.
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