MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dipl.-Ing. Ulrich Koschorreck
Engagierter Gewerkschafter
07747 Jena
Bereits als Lehrling wurde Ulrich Koschorreck Mitglied des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB). Später, während seiner Tätigkeiten bei Carl Zeiss sowie im Glaswerk Jena, wählten ihn die Kollegen zum Vertrauensmann bzw. stellvertretenden Vertrauensmann. Im Januar 1990 fuhr er als Delegierter noch zum letzten FDGB- Kongress nach Berlin. Nach seiner Rückkehr wurde Ulrich Koschorreck Mitglied im neu gewählten Belegschaftsrat, aus dem dann der Betriebsrat hervorging. Hier verhandelte er den ersten Sozialplan für das Werk, nachdem absehbar war, dass es durch die veränderten wirtschaftlichen Gegebenheiten nach der Wende zu vielen Entlassungen kommen wird. Später war er in dem inzwischen privatisierten Betrieb ehrenamtlicher Betriebsratsvorsitzender. Darüber hinaus engagierte sich Ulrich Koschorreck auch in der überbetrieblichen Tarifkommission. Inzwischen im Ruhestand ist er immer noch in der IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE), Ortsgruppe Jena gewerkschaftlich aktiv. Als Mitglied des Vorstandes kümmert er sich in der Funktion des Kassierers um die Finanzen. Ulrich Koschorreck wurde 1955 in Gösen (bei Eisenberg) geboren. Nach der 8. Klasse wechselte er auf die Erweiterte Oberschule (EOS), verlies diese aber zwei Jahre später wieder, da es ihm hier nicht gefiel. Er ging zu Carl Zeiss nach Jena und absolvierte dort eine dreijährige Berufsausbildung zum Feinmechaniker mit Abitur. Anschließend arbeitete er einige Zeit in einem Betriebsteil des Kombinates in Eisenberg, nur unterbrochen durch seinen Wehrdienst bei der NVA. Von 1977 bis zum Frühjahr 1982 studierte Ulrich Koschorreck an der TH Ilmenau und schloss als Diplomingenieur für Gerätetechnik ab. Danach kam er zurück zu Carl Zeiss und nahm seine Tätigkeit als Konstrukteur im Ingenieurbüro des Kombinates in Jena auf. Infolge Strukturveränderungen kam dieses zum A- Betrieb, wo er nun als Planungstechnologe eingesetzt wurde. Doch diese Arbeit machte ihm keinen Spaß, deshalb folgte er der Empfehlung eines Freundes und wechselte zum VEB Glaswerk Jena, Betriebsteil Burgau. Hier arbeitete er viele Jahre wieder als Konstrukteur. Dann kam die Wendezeit. Die Maueröffnung erlebte Ulrich Koschorreck als Reservist bei der NVA – „eine verrückte Zeit“ -, wurde von dort nun vorfristig entlassen. Auch der Betrieb durchlief Veränderungen. So erfolgten Produktionsverlagerungen aus dem Hauptwerk an den Standort Burgau, die er verantwortlich leitete. Ende 1993 verkaufte die Treuhand das Werk an einen Österreicher sowie ehemaligen „Zeissianer“. Er wurde nun als Technologe weiterbeschäftigt und da es jetzt ein selbständiger Betrieb war, hier auch ehrenamtlicher Betriebsratsvorsitzender. Als solcher kam er immer wieder in Konflikt mit seinem Arbeitgeber und als sich eine Gelegenheit ergab, im Jahr 2003 auch zur Entlassung. Nach ca. einjähriger Arbeitslosigkeit fand Ulrich Koschorreck über eine Zeitarbeitsfirma wieder eine Arbeit als Technologe bei Schott Jena, wurde dort später sogar fest eingestellt, und blieb bis der Betrieb 2010 schloss. Dann folgte erneute Arbeitslosigkeit. Aus gesundheitlichen Gründen musste er 2013 in die EU- Rente gehen. Da ihm inzwischen ein Unterschenkel amputiert wurde, hofft er bald wieder richtig allein laufen zu können, um als Fußballfan dann auch Spiele im Stadion live zu verfolgen. Zu seiner geistigen Fitness tragen Lesen und Rätseln bei.