MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dieter Kolberg
„Wenn du erkennst, dass es dir an nichts fehlt, gehört dir die ganze Welt.“ (Laotse)
Landwirt
Traktorist
Meusdorf 3
04655 Kohren-Sahlis OT Meusdorf
Der kleine Ort Ackermühle im Kreis Schloßberg / Ostpreußen, mit nur durchschnittlich 175 Einwohnern ist der Geburtsort von Dieter Kolberg. 14 Millionen Deutsche verließen 1944 ihre Heimat, wurden deportiert und in die Flucht geschlagen – so auch die Familie von Dieter Kolberg. Mit nur zwei Jahren verlor er so sein Zuhause, kam mit Oma und Tante nach Jahnshain, wo die Familie bei einem Bauern unterkam. Er wuchs bei der Großmutter auf, besuchte 1958–1956 die Schule. Seinen Vater hat er nie kennengelernt. Seine Mutter hatte eine neue Familie gegründet. Doch vermisst hat er bei seinen Großeltern nichts. Nach der Schule ging er bei dem Bauern, der die Flüchtlinge einst aufgenommen hatte als Kutscher in Stellung, besuchte auch zwei Jahre eine Berufsschule, jedoch ohne Berufsabschluss-Möglichkeit. Er erinnert sich noch daran, wie er im Feldbau tätig wurde und als Traktorist den größten Traktor, einen „Pionier“ fahren durfte. Nachdem das Gerät in die Tierproduktion übergeben wurde, konnte er auf einem MTS 50 seine Einsätze fahren. Er erlebte die Gründungen der LPG verschiedenen Typs, die politische Wende in der DDR und den Zerfall der Produktionsgenossenschaften. Für ihn brach damit eine schwierige Zeit an. Arbeitslosigkeit wechselte mit ABM-Stellen, in denen er „sich so durchgequält hat“, wie er berichtet, um möglichst noch etwas für die Rente tun zu können. Die Nachweis-Forderungen des Arbeitsamtes, die ständigen Termine dort und der tägliche Kampf ums Überleben und darum, nicht auch noch sein Selbstwertgefühl zu verlieren, führte zu seiner Entscheidung vorzeitig in den Ruhestand zu treten. Selbst ledig und kinderlos geblieben, ist seine einzige Familie die Cousine im Nachbarort mit ihren Angehörigen. Man hilft sich gegenseitig wo man kann, erzählt er und von seinen harten Arbeitsjahren bei Wind und Wetter auf den landwirtschaftlichen Maschinen. Einfacher ist es nicht geworden auf dem Dorf zu wohnen, denn die Infrastruktur wird immer schlechter. Es ist still geworden im Ort. Die Gaststätte hat schon lange geschlossen, an den wöchentlichen Tanz erinnert sich kaum noch jemand. Einkaufen kann man nur in Frohburg oder Geithain, was für jemanden ohne Auto schon eine Herausforderung darstellt. Wie schön war es doch, als noch soziales Leben in der Region herrschte, der Feuerwehrverein – dem er 1959–2002 angehörte – aktiv war. Selbst eine Gemeindevertretung gibt es indessen nicht mehr. Und so passt Dieter Kolberg seine Wünsche den Gegebenheiten an: Gesund bleiben will er, möglichst noch lange leben und weiter die freundliche Nachbarschaft genießen.