MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Waltraud Konrad

Souverän und zupackend das Leben meistern

Waltraud Konrad

Landwirtin
Große Seite 6
04758 Schönnewitz

Die Landwirtin Waltraud Konrad stammt aus einer Familie, deren Ahnentafeln Landwirte bis in das 18. oder sogar in das 15. Jahrhundert aufweisen. Mit 14 Jahren muss sie gegen Ende des Krieges aus den Ostgebieten geflohene Flüchtlinge auf die Gemeinden verteilen, auch im Haus der Familie sind mehrere Familien einquartiert. Mit zwei Schwestern besucht Waltraud Konrad 1947 eine landwirtschaftliche Fachschule. Die ältere Schwester pachtet mit ihrem Mann nach der Hochzeit einen Betrieb, Waltraud Konrad ist als Mitarbeiterin hier tätig. Die Mutter erkrankt in dieser Zeit an Tbc und so muss sie sich nun deren Pflege widmen. Im Jahr 1953 heiratet sie einen schlesischen Umsiedler, ein Jahr später erwirbt das junge Paar einen Hof, den es von Grund auf erneuern und aufbauen muss. Die Eltern des Mannes wohnen ebenfalls mit in dem Haus, dazu kommen noch Umsiedler. Der Bildung der LPG und vor allem den so genannten „Aufklärern“ von der SED, die die Menschen regelrecht bearbeiten, steht Waltraud Konrad bis heute sehr kritisch gegenüber. Sie wird hier im Feldbau eingesetzt, obwohl ihr die Tierhaltung eigentlich mehr liegt. Im Jahr 1980 stirbt der Mann, zurück bleiben die Kinder, der 1954 geborene Sohn Harald, der ebenfalls schon gestorben ist, die ein Jahr später geborene Tochter Isolde, Irene, die 1960 zur Welt kommt und Innenarchitektin ist, der 1967 geborene Sohn Detlef, ein Tischler der sich heute als Erzieher um behinderte Menschen kümmert und schließlich Beate, das 1968 geborene letzte Kind, die heute als Abteilungsleiterin arbeitet. „Die Geschwister haben sich gegenseitig erzogen“, meint die Mutter zu der damaligen Situation. Inzwischen gehören sechs Enkel und neun Urenkel zu ihrer Familie. Beruflich hat sich Waltraud Konrad als selbstständige Landwirtin am wohlsten gefühlt, bis 1991 arbeitet sie im Kälberstall und geht anschließend in den wohlverdienten Ruhestand, ihr Land hat sie verpachtet. Waltraud Konrad hat nie Angst vor den ab 1989 einsetzenden gesellschaftlichen Veränderungen gehabt. Der Hof ist heute ein Vorzeigeobjekt, jedes Familienmitglied benutzt eigene Eingänge und lebt in einer eigenen Wohnung, so dass die Privatsphäre gewahrt bleibt. Waltraud Konrad schöpft ihre Kraft und ihren Lebensmut bis heute aus dem christlichen Glauben und hat 25 Jahre bis zu ihrer Rente in der Kirchengemeinde Borna aktiv im Vorstand mitgearbeitet. Oft und gern sitzt sie auf der Bank vor ihrem Haus und genießt, was sie in einem arbeitsreichen und nicht immer einfachen Leben geschaffen hat. Ab und an erledigt sie dabei auch noch Handarbeiten für die Enkel und Urenkel. Waltraud Konrad hat nur noch einen Wunsch, ihr Leben zu Hause im Kreise ihrer Angehörigen und schmerzfrei beenden zu können.
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