MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dipl.-Ing. (F) Gerhard Korinek
Ein Lebenswerk mit unglaublichen Begebenheiten
Direktor, Betriebsleiter i. R.
Melanchthonstr. 2
09648 Mittweida
Fon: 03727 / 3365
Eine teilweise ziemlich abstrus anmutende Karrieregeschichte brachte Gerhard Korinek teilweise an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Auch war sie von unglaublichen Begebenheiten begleitet.
Das Licht der Welt erblickte er am 23.03.1926 während eines Besuches seiner Mutter bei ihren Eltern in Seifhennersdorf. Vorerst wuchs er in Varnsdorf /Tschechoslowakei auf, wo seine Familie lebte, die später auch nach Seifhennersdorf zog. Bis zum 17. Lebensjahr dort aufgewachsen, ergriff er nach dem Besuch des Gymnasiums von 1940–1943 eine Lehre zum Maschinenschlosser und folgte der Empfehlung eines Lehrers, ein Studium zu beginnen.
1943 nahm er an der Ingenieurschule Mittweida sein Studium auf, wurde nur ein Jahr später eigezogen und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1945 entlassen, arbeitete er ein Jahr in Ingolstadt, ein weiteres in Seifhennersdorf. Gerade hatte er an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät Görlitz begonnen, als die Ingenieurschule erneut ihre Tore öffnete. Bis 1950 konnte er in Mittweida zu Ende studieren und begann als Jungingenieur am Pressen- und Scherenwerk Gera.
Dort stieg er nach nur sechs Monaten zum Produktionsdirektor auf, machte einen kurzen Abstecher zum Drehmaschinenwerk Chemnitz, kehrte 1951 nach Gera zurück und wurde Betriebsleiter. Eine andere Meinung als das DDR-Regime hatte er des Öfteren – diesmal mit schwerwiegenden Folgen. Aufgrund unerwünschter Meinungsäußerung verlor er nicht nur seinen Posten, auch das Gehalt wurde um die Hälfte gekürzt und man schickte ihn zu Union Gera in die Produktion von Schweißkonstruktion.
Ungewöhnlich ging es auch weiter für Großbohrwerke zu fertigen. 1959 versetzte man ihn an die VVB Werkzeugmaschinen in Chemnitz. Für 1 ½ Jahre Assistent avancierte er zum Direktor für Beschaffung und Absatz sowie letztendlich zum stellvertretenden Hauptdirektor.
Für ein Jahr musste Gerhard Korinek in Berlin die Schulbank drücken, wurde Leiter der Zweigwerke in Erlau und Mittweida des Großdrehmaschinenwerkes 8. Mai Karl-Marx-Stadt (heute NILES-Sommons). 1968 erhielt er die Aufgabe, einen neuen Betrieb zu gründen zur Rationalisierung für Werkzeugmaschinen (RAWEMA). Das erfolgte am 01.04.1968 (siehe Tageszeitung Volksstimme vom 03.04.1968). 1969 wurde RAEWMA beauftragt zum Neubau des WZM-Betriebes "Fritz Heckert" (Prod.-Fläche 11.000 qm). Termin der Inbetriebnahme: 01.07.1971. RAWEMA organisierte sich zum Generalauftragnehmer GAN und zum Hauptauftragnehmer HAN technologische Ausrüstung. Die Erstinbetriebnahme erfolgte am 01.07.1971. Zur gleichen Zeit wurde 1969 die zweite Aufgabe gestellt, den Neubau einer Grauguss-Gießerei mit Importen aus der BRD zu errichten – Jahreskapazität 50.000 t. Diese Aufgabe wurde dem Zweigbetrieb zum RAWEMA in Berlin übertragen. Produktionsbeginn 01.07.1971 – was auch erfolgte. Auf Grund gesundheitlicher Probleme riet der Arzt, dass Gerhard Korinek eine Stufe in der Verantwortung zurückgehen sollte. So übernahm er die frei gewordenen Stelle des Direktors für technologische Ausrüstungen (HAN-Funktion). Wegen Produktionsschwierigkeiten in der Gießerei, die in Meuselwitz steht, wurde er zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Gießerei für drei Jahre nach Meuselwitz beordert. Nach 1 1/2 Jahren wurde die volle Leistungsfähigkeit erreicht! 1978 berief ihn der Generaldirektor des Kombinates als Leiter der Anlagenexporte für das Gesamtkombinat. Er war für die Auftragslage und die Fertigstellung durch entsprechende Kontrollen verantwortlich. So z. B. für Maschinensysteme und Mähfingeranlagen in der UdSSR, für Werkstätten in Algerien, Tunesien und dem Irak. In letzten wurden Werkstätten von Basra bis Mosel im ganzen Land gebaut – ca. 40 Stück. 1990 ging Gerhard Korinek in den Ruhestand, am 01.03.1991 in die Altersrente. Er verdankt seine Entwicklung vor allem der hervorragenden Arbeit im Studium an der Ingenieurschule Mittweida und insbesondere den Dozenten und Professoren der Bildungseinrichtung. Die hier genannten Betriebe haben alle den Übergang in die Marktwirtschaft erfolgreich bewältigt.