MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Heinz Koch

Mit klarem Blick und festem Standpunkt

Heinz Koch

Gräfestr. 20
04129 Leipzig
Fon: 0341 / 9095540

Für Heinz Koch, 1930 in Leipzig geboren, erlebte im Dezember 1943 einen der großen Angriffe auf Leipzig und erinnert sich, dass danach die Schule schloss und für ihn die Zeit als Schüler damit vorbei war. Die Berufsberatung verlief zeitgerecht. Man empfahl: Ein deutscher Junge gehöre in die deutsche Rüstungsindustrie! Doch das sah sein Schwager anders und schlug stattdessen den Beruf des Drogisten oder Fotografen vor. Glück war es, 1944 auch die einzige Lehrstelle als Fotograf in Leipzig zu bekommen. 1947 war diese Ausbildung beendet, Heinz Koch Fotografengehilfe. Am Tag seiner Gesellenprüfung begegnete er zufällig einem Polizisten, der ihm eine Fotografen-Tätigkeit bei der Mordkommission in Aussicht stellte. Niemand kannte zu dieser Zeit die Weisung Stalins, neue Streitkräfte aufzubauen, was Umbruch und Veränderung bedeutete. In diesen geriet Heinz Koch mit seiner Entscheidung in den Polizeidienst einzutreten, wurde statt Fotograf der Mordkommission Bereitschaftspolizist. Nach dem späteren Besuch der Offiziersschule und dem Umstand geschuldet, dass viele Menschen die sowjetische Besatzungszone verlassen wollten, erfolgte seine Versetzung an die Grenze. Hier hatte er die Möglichkeit wieder in seinem Beruf zu arbeiten, wurde Bildreporter einer dort herausgegeben Zeitung. 1959 im Dienstgrad Oberleutnant entlassen, konnte er im zivilen Bereich seine praktischen Erfahrungen einbringen, nahm 1960 beim ADN (Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst) in Leipzig die Arbeit als Bildreporter auf. 1974 zum Produktionsleiter befördert, vermisste er seine praktische Tätigkeit und entfloh dem, indem er 1980 in Berlin die Leitung des Pressebildarchivs übernahm. Millionen Bilder von unschätzbarem Wert lagerten hier, zeugten von deutscher Geschichte von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart. Wirtschaftliche Unzufriedenheit und politische Entscheidungen führten 1989 zum Ende der DDR und damit auch zum Ende des ADN. Von 1400 Mitarbeitern des Bildarchivs wurden 1100 entlassen. Heinz Koch blieb bis 1992 tätig, konnte dann über eine Vorruhestandsreglung nahtlos in den Ruhestand wechseln. Nach dem Tod seiner Frau Ruth-Ingeborg im Jahr 2001 zog er wieder in seine Geburtsstadt Leipzig zurück. Zur Beerdigung seiner Frau war auch eine ehemalige Nachbarin gekommen, weil die Familien viele Jahre zuvor befreundet waren und sich nie vollkommen aus den Augen verloren hatten. Während Familie Lechermann sich damals sehr mit den Töchtern der Familie Koch, Angelika und Kristina beschäftigt hatte, war er als Bildreporter einer der wenigen, die über einen Telfonanschluss verfügten und gerne Telefonate für die Lechermanns vermittelte. So entstand eine Symbiose, an die Frau Lechermann und Herr Koch sich gerne erinnerten, als ihre Ehepartner verstorben waren, und erneut daran anknüpften. Seit 2003 leben sie zusammen, was auch die Kinder freut, die sie begrüßten mit einem „Herzlich Willkommen in der Familie“ – Schild. Sie hatten ihre liebvolle Zuwendung in Kindertagen nicht vergessen. Als wendebedingten Verlust sieht Heinz Koch die Zerstörung von Biografien, als Gewinn die Möglichkeit der Selbstbestimmung. Er schätzt ein, dass sich keiner die DDR zurückwünscht, aber ihre soziale Geborgenheit wohl doch, denkt er. Leider sind die Politiker heute nicht in der Lage, dafür zu sorgen, dass die Menschen ohne Angst leben und sich als Teil eines Ganzen fühlen können. Sie sind zu sehr mit sich beschäftigt und die Maßlosigkeit dabei ärgert ihn doch sehr.
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